Wanderung durch die Schweinsdorfer Alpen
9. Dezember 2018
Nach einem sonnigen Vortag hatte es ganze Nacht unausgesetzt geregnet. Die Zurüstung zum Aufbruch geschahen noch in dieser niederschlagenden Stimmung. Entsprechend langten noch kurzfristige Absagen ein. Immerhin zu viert kamen wir mit der Straßenbahnlinie 3 über Coschütz in Freital an.
Der Windberg machte seinem Namen alle Ehre. Die bewegten Wipfel der Buchen lärmten über uns. Nur kurz hielten wir uns am Albertdenkmal auf, als der Ouvertüre zu einer Wanderung, die zumeist auf der Höhe über den Tälern verlief und viele Fernblicke gewährte, wenn auch zuweilen etwas getrübt. Öfters fing es während des Tages wieder an zu nieseln aber niemals in wirklich zermürbender Dauer und Stärke. Der graue Himmel verstärkte die Farben. Für Augenblicke klarte er während des Vormittags sogar an einigen Stellen auf. Bald zog es aber wieder zu.
Über das Tierheim gelangten wir am Abzweig nach dem Bergmannsgrab zum Abstieg. Auf dem Niederhäßlicher Hangweg gehen wir entlang der Kleingärten hinab ins Poisental. Auf der Brücke gegenüber der Ruine der Lederfabrik machen wir eine kleine Rast mit Tankstellenkaffee.
Mit einem kleinen Abstecher zur leider geschlossenen Deubener Christuskirche geht es weiter an der vereinigten Weißeritz entlang. Auch das Jägerstübl auf der Jägerstraße heißt heut keine Gäste willkommen. Sechs einzeln stehende Schornsteine dicht am anderen Ufer geben uns das Rätsel ihres vormaligen Zusammenhanges auf. Vor dem Zaun der Papierfabrik geht es aufwärts in die Eckersdorfer Schweiz. Durch das Astwerk leuchten hell die Halden von allerlei Kartonagenabfall herauf. Eine kleine Bude entdecken wir im Wald. Außer uns ist niemand hier unterwegs. Wegemarkierungen gibt es nicht. Kaum sind die Pfade auf der Karte kenntlich. In Sichtweite des Stadions, wo sich die Spieler bewegten, nehmen wir einen Weg hangaufwärts, der sich zugewachsen zeigte aber dennoch unzweifelhaft auf die Hochfläche führte von der wir zum Vorholzbach absteigen.
Über den Veilchengrund laufen wir an unbelaubten Bäumen aus denen goldene Äpfeln leuchten, die sich noch kernig und schmackhaft erwiesen. In Obernaundorf nehmen wir die Querverbindung zum Marktsteig und laufen auf der alten von Pirna kommenden Handelstraße, wie es die Wegsteine ausweisen, nach Rabenau hinein.
Mittag ist gerade vorbei und auf dem Weihnachtsmarkt muß noch etwas adventliche Behaglichkeit um sich greifen. Währenddessen besuchten wir die DDR-Spielzeug-Sammlung von Eric Palitzsch. Er hat in einigen seiner Lagerräume nahe am Markt Vitrinen aufgebaut um das Jahresende an wenigen Tagen geöffnet. Einiges darf ausprobiert werden. Wir konnten manches nachholen, was wir in Kindertagen entbehrten, weil wir lieber mit Stöcken im Wald spielten. Vieles kann er zur Geschichte der DDR-Spielzeugindustrie mitteilen. Ein aufziehbarer Motorradfahrer aus Blech holpert über die Fugen des Fußbodens. Er wurde bis in die sechziger Jahre hierzulande hergestellt. Auf verschlungenen Wegen gelangten die Produktionswerkzeuge nach Indien und von dorther ist er neuerdings international wieder lieferbar geworden. Ein Weihnachtsmannbüro rundet die originelle Ausstellung ab.
Der Sammler bestätigt uns den Weg zum Kriegerdenkmal. Um die Ecke an der Bäckerei und früherem Stadtcafé vorbei gehen wir in Richtung Bahnhof dem Rabenauer Grund zu. In einem kleinen Hain wurde das figürliche Relief eines Soldaten mit Frau und Säugling aufgestellt. Der Blumenschmuck vom Volkstrauertag liegt noch davor. Doch der Rand des Stahlhelms und die Nase des Vaters sind von unbedachten Vandalen unterdessen abgeschlagen worden. Dabei ist nicht nur das Andenken der Ahnen beleidigt worden sondern auch ein anrührendes Kunstwerk zerstört worden, in dem sich eine vergangene Lebensrealität ohne pathetische Überhöhung ausdrückte. Der Erinnerungsbogen an die Opfer des zweiten Weltkrieges gegenüber präsentiert sich schlicht und würdevoll.
Im Rathaus übte der Posaunenchor um gleich darauf auf der kleinen Bühne des Weihnachtsmarkts zu spielen. Weihnachtlicher Kitsch liegt zum Verkauf. Pausbäckige Gesichter aus getrockneten Blütenblättern und Halmen, patentiert und in Rabenau gefertigt, sowie Sperrholzschmuck aus Schmiedeberg, der mehr an rechnergestützte numerische Steuerung seiner fertigung denken läßt, als weihnachtliche Empfindungen zu wecken. Die Preise der Speisen, Getränke und des Naschwerks sind im Vergleich zu Dresden moderat. Vor allem muß niemand anstehen. Als wir uns zur König-Albert-Höhe wenden, begegnen uns einige Rabenauer auf dem Wege zu ihrem Weihnachtsmarkt. Wir werden vielleicht die einzigen Auswärtigen gewesen sein.
Auf der August-Bebel-Straße wirkte lange die Bildgießerei Gebrüder Ihle, die nun in Dresden tätig ist. Hier wurden Repliken der Nebraer Himmelscheibe gefertigt. Das Original soll ja nach Meinung einiger Kritiker an der Echtheit des Fundes nur wenige Jahre zuvor hergestellt worden sein. Das Hotel und Restaurant König-Albert-Höhe macht einen gediegenen Eindruck. Es scheint noch ebenso auf der Höhe zu sein, wie es auf dem Windberg windig war.
Vom Albertdenkmal zur Alberthöhe führte uns der Gang längs des freien Tals Freital. Bis zu Beginn des 17. Jahrhundert soll hier eine Hinrichtungsstätte gewesen sein. Seit gut zweihundert Jahren erinnert eine Sandsteinsäule mit Inschrift an den Augsburger Konfession von 1530. Die Konfessionssäule wurde 1874 bei Erbauung des Hotels versetzt. Kein gutes Zeichen symbolisch am Bekenntnis des evangelischen Glaubens zu rütteln. Vielleicht rührt die gegenwärtige miserable Verfassung der Kirche daher und ist damit nichts als Nachwirkung der verrückten Hybris jener Gründerjahre. Der Platz mit der Säule wurde im vergangenen Jahr erneuert und mit einem Erntedankgottesdienst eingeweiht. Einige Bäume wurden entfernt und nachgepflanzt, was die Stätte gegenwärtig etwas dürftiger wirken läßt . Das Fernrohr kann das nicht wettmachen.
Um das Hotel herum suchen wir den Eingang zum Eckersdorfer Weg. Die Alle führt uns mit grandiosen Blick nach Hainsberg und den durchwanderten Hängen im Osten und der Somsdorfer Höhe vor dem Tharandter Wald im Westen talwärts. In der Rollmopsschänke sind wir die einzigen Gäste. Leiden dürfen wir uns nicht in der gemütlichen Eckersdorfer Stube mit dem Kachelofen niederlassen. Doch das alte Fachwerkhaus mit der niedrigen Raumhöhe versetzt uns auch so in eine schläfrige Behaglichkeit.
Am Eingang zu Hainsberg müssen wir nicht lange auf einen Omnibus warten. An der Haltestelle Tharandter Straße nehmen wir die Straßenbahnlinie 6 bis Postplatz, wo wir in die 4 wechseln. Zwei Dutzend Kilometer haben wir dennoch hinter uns gebracht, trotz miesem Wetter mit großen Eindrücken.
Wanderung durchs Bergbaugebiet Diebsgrund bei Munzig
24. November 2018
Ausnahmsweise langen die meisten der sechzehn Teilnehmer heute in vier Fahrzeugen am Eingang zum alten Kalkbergwerk an. Der Charakter einer Fachexkursion durch den Altbergbau entschuldigt diese Ausnahme von der Regel.
Als wir viertel vor Zehn eintreffen sind dort bereits die polnische, tschechische und deutsche Höhlentaucher zugange. Holger Sickmann begrüßt uns herzlich. Wir passen uns die Helme an und laufen die Hauptstrecke in den Berg hinein. Hier wird seit den zwanziger Jahren nicht mehr gefördert. Damals wurde oberhalb eine neue Grube erschlossen, die weitere vierzig Jahre in Betrieb war. Der Kalk wurde vor Ort gebrannt in einem riesigen Ofen an der Stelle des heutigen Parkplatzes. Denn der Miltitzer Kalk ist zwar sehr rein aber derart rissig, daß er vor allem bei den Verfahren im Gröditzer und Freitaler Stahlwerk zur Anwendung kam. Aus letzerem wiederum wurden 50 Loren für den Abbau von Kalk nach Miltitz geliefert.
Holger Sickmann weist uns auf die anschaulichen Merkmale der Erdzeitalter hin. Ein Faltengebirge türmte sich einstmals kilometerstark zu unseren Häupten: „Zehn Millionen Jahre, dann ist ein Gebirge futsch.“ Zur Zeit ist das Schaubergwerk für Veranstaltungen nicht nutzbar und die Begehbarkeit ist eingeschränkt. Es kam zu einem Bruch in der Verbindung zum Silberbergwerk Adolf von Heynitz Stollen. Einer der Pfeiler muß noch kostspielig heißverklebt werden. Geld dafür gibt die Gemeinde bislang nicht. Darum finden vorerst keine Konzerte in der Seehalle und kein Theater in der Pulverkammer statt. Die Besucherzahl ist begrenzt.
Bereits seit den 1830er Jahren wird das Bergwerk zu Schauzwecken verwendet. Die Freiberger Akademie kann hier die Epochen der Erdgeschichte beispielhaft demonstrieren. Mehrere Märchenfilme wurden hier gedreht. Im Mai 1916 verunglückten bei einem Tagesbruch der Hauer Bartsch und vier russische Gefangene. Jüngst wurden ihre Nachkommen ausfindig gemacht. Sie beabsichtigen demnächst anzureisen um ihrer Angehörigen an deren Todesort zu gedenken.
In der Taucherhalle erleben wir gerade das Aussteigen der Höhlentaucher. Erst ist nur in der Ferne der Schein der Lampen auszumachen, dann werden die Männer in den Trockentauchanzügen im klaren Wasser sichtbar, wie sie sich der Rampe nähern.
In das alte Kalkwerk wurden gegen Ende des Krieges die Fertigunganlagen Molch III und IV für den Flüssigkraftstoff für Raketen eingebaut. Im klaren Wasser sind die Fundamente noch deutlich zu erkennen. Die Abgase der Produktion wurden im Bergwerk vernebelt. In den letzten Kriegstagen trugen sich Amerikaner wie Russen mit der Absicht, das Bergwerk zu stürmen. Der Erfolg war verschieden. Die Amis verfuhren sich bei Rotschönberg und blieben dann im Schlamm stecken, während die Iwans sich den Weg in den Berg frei schossen. Aus den Bewachern machten sie tote Deutsche und aus den vorgefundenen Technikern russische Facharbeiter. Zumindest in der Treibstofftechnologie waren sie künftig im Vorteil.
Im Triebischtal gegenüber befindet sich der noch aktive Mühlenbetrieb Furkert und Bartsch. Müllermeister Alexander Bartsch betreibt den Familienbetrieb in der vierten Generation. Wir queren das Tal an der Mühle und gelangen mit einem Abstecher zum Turmalinporphyrbruch, aus dem die Steine für die Miltitzer Mühle stammen, auf den 1999 eröffneten "Geopfad Triebischtal". Holger schlägt uns Handstücke und weist uns daran auf die Merkmale der Gesteinsarten hin.
Durch die Lange Leite in Miltitz kommen wir vorbei an den früheren Silbererzbergwerke St. Sebastian, St. Andreas, Rothgüldene Zeche, Morgenröthe Stolln und Breitekiesstolln. Dann geht es in den Weitzschengrund zum Silberbergwerk Wilde Mann Fundgrube samt Tiefen Hilfe Gottes Erbstolln und hoch zur Halde am Treibeschacht.
In Munzig am früheren Volkspark für die Arbeiter der „Pappe“ steht auf einer alten Halde ein Kriegerdenkmal. Dahinter befand sich der St. Johann Kunstschacht. Der Charakter eines Erholungsparks ist an einigen Stellen noch am besonderen Baumbestand zu erkennen. Der Diebsgrund enthält auf einer Strecke von 300 Metern Länge vierzig Schächte. Das Silbervorkommen war besonders reichhaltig aber schwierig zu fördern, was zur Aufgabe der Gruben führte.
Im Freundlicher Bergmann Kunstschacht wurde Ende des 19. Jahrhundert noch eine Nachlese gehalten, bei der vor allem Mineralstufen zutage gefördert wurden. Ein schönes Stück davon mit Arsenkies aus seiner Sammlung fördert Holger aus einer der vielen Taschen seiner praktischen Gewänder zutage. Immer wieder zeigt er uns an diesen geologischen Preziosen aus unserer Heimat, was in den unscheinbaren Mulden und Haufen an Hang und Wegesrand verborgen ist oder war.
Wir steigen aus dem Grund hinauf in das Munziger Oberland. Es macht sich die Landschaft bemerkbar, die bisher in Tal und Tälchen von den Hängen verstellt war. Zwischen den Kirschbäumen laufen wir nach Obermunzig.
An einem Munziger Garagentor ist ein Vintage-Hiphop-Grafitti aus den Achtzigern zu sehen.
Andreas laß doch ruhig das Radio weiterdudeln, heißt es darauf sinngemäß.
Sehr viele markierte Wege führen nach Munzig.
Unter dem Gebäude des Rittergutes Obermunzig befindet sich die Eisenerzgrube Frisch Glück Fundgrube.
An der Straße nach Burkhardswalde kommen wir am Kalkofen des Eisenerz - und Marmorkalkbergwerkes "Graf Carl Fundgrube " in Obermunzig vorbei.
Am Ortseingang zu Burkhardswalde begegnen wir einem weiteren monumentalen Kalkofen.
Die Hallenkirche von Burkhardswalde ist die kleine Nichte ihrer großen erzgebirgischen Tanten in Annaberg, Schneeberg und Brüx. Hinter dem manieristischen Altarepitaph befindet sich im Chor ein spätgotisches Sakramentshäuschen, welches aus dem Kloster Altzella hierher versetzt sein soll. Das hohe Dach sollte eigentlich im Innern einmal ein Schlingrippengewölbe durchziehen. Es gelangte jedoch nie zur Ausführung. Wohl auch deshalb, weil die unerhörten vier Pferdestärken der Wasserkunst keine weitere Ausbeute der sehr verheißungsvollen Silberlager im Diebsgrund nahelegten
. Der Kampf gegen das Grundwasser wurde dort verloren. Majestätisch genug prangt der Bau über dem Ort in der Landschaft.
Auch der massige Turm im Westen, im Bild verdeckt, sollte gewiß
einmal höher aufragen. Nun sitzt auf dem Schieferdach ein kleiner Dachreiter, wie er auf vielen Dorfkirchen des Erzgebirgsvorlandes zu finden ist, z. B. In Seifersdorf, Tuttendorf oder Fördergersdorf. Gleichwohl wurde bis zur Reformationen hierher gewallfahrtet. Und im Marktgut neben der Kirche florierte einstmals der Handel.
In Burkhardswalde nimmt uns der Gasthof Alma Kasper ohne Voranmeldung im Dutzend auf. Der zehnsitzige Eichenholztisch mit den Bänken gibt uns ausreichend Platz. Unser asketischer Führer begnügt sich derweil auf dem Freisitz mit Kaffee und Zigarette, während wir in der warmen Stube Haxe, Rouladen, Tafelspitz und Schäuflein in uns schaufeln und mit fränkischem Bier gegießen.
Holger erweist sich auch im Finstern unermüdet. Auf dem Rückweg wird noch mancherlei im vagen Lampenscheine besichtigt und auf anderes ebenso dringend hingewiesen.
Der Gangporphyrit-Steinbruch ist mehr zu erahnen als zu sehen. Abermals wird aus der Tasche ein schönes Stück mit dem lokalen Schwefelkies oder Katzengold vorgezeigt. Linkerhand im Tal der Triebsich steht ein weiteres Huthaus und die bescheidenen Wohnhäuser der Bergleute sind an ihrer Form zu erkennen. Im Triebischtal passieren wir das Kulturhaus der Pappenwerker und dann die Anlage des Werks selber, in dem heute ca zwanzig Leute noch beschäftigt sind. Durch eine der Hallen flitzen gerade unter kreischendem Geräusch die Modellautos. Einen Frischemarkt gibt es auch, der keiner der großen Ketten angehört.
Hinter der Vermauerung des Mundlochs des Fröhliche Anblick Erbstolln zu Munzig wachsen die schönsten Gipskristalle. Besser könnte der herzförmige Japaner-Zwilling Munziger Zwilling heißen.
Mit dem verbliebenen öffentlichen Nahverkehr erleben wir, wie immer, nur Gutes. Bislang völlig unbedacht wegen der Heimkehr von zwei Meißner Wanderfreunden schauen wir erst an der Miltitzer Mühle kurz auf den schriftlichen Busfahrplan und stellen fest, das binnen Minuten eine Abfahrt stadtwärts möglich wird. Wir warten, bis die beiden eingestiegen sind und verabschieden uns untereinander gegen 18:30 Uhr am Kalkbergwerk um in zwei vollbesetzten Fahrzeugen die Heimreise nach Radebeul und Dresden anzutreten.
Holger Sickmann ist eine unerschöpfliche Quelle und der Anteil echter Kenntnis an seiner unermüdlichen Rede entspricht dem des Calciumcarbonats am Miltitzer Marmor. Wir waren sehr angetan und wollen uns von der gediegenen Scharfenberger Silberlocke im nächsten Jahr durch das dortigen Bergwerk führen lassen.
Wanderung von Kohlmühle auf den Lilienstein
11. November 2018
Die zunächst abschreckend wirkende Verbindung mit drei Schienenersatzbussen ab Pirna entpuppt sich als ein besonderes Abenteuer. Denn der Ersatzverkehr ab Bad Schandau entläßt uns bereits in Porschdorf. Da keine schweren Omnibusse durch die schmale Talstraße nach Kohlmühle passen, fahren wir nun Taxi.
Nur durch Ausklappen der hinteren Notsitze kann der freundliche Chauffeur uns alle sechs mit einer Fahrt ans Ziel bringen. Wären wir tatsächlich drei Personen mehr gewesen, hätte er noch einmalwiederkommen müssen. Von Kohlmühle aus nehmen wir ein Stück des gleichen Wegs, wie schon im Sommer als als wir in Gegenrichtung von Hohnstein über den Brand hier anlangten.
Diesmal gehen wir nicht die niedere Ochel entlang. Oberhalb eröffnen sich uns die Ochelausblicke und der Lilienstein lockt bereits aus der Ferne.
Auf einen der Ochelfelsen hatte Bert Kirsten vom Pianohaus im Cosel-Palais dieses Jahr zu Himmelfahrt einen Konzertflügel schaffen lassen. Klavierschüler und ihr Lehrer griffen hoch über der Elbe in die Tasten.
Es wird frisch durch den Wind. Doch die fortgesetzte Bewegung läßt uns wieder warm werden. Durch Waitzdorf hindurch, wo die Dorfschänke am Sonntag gut besucht ist steigen wir den Dorfgrund hinab in den Tiefen Grund.
Die Felsritzungen von Sense und Armbrust im Tiefen Grund sollen an eine tödlich ausgehende Rivalität zweier Burschen erinnern, die eines Mädchens wegen mit dem Erntegerät aufeinander losgegangen waren.
Wir steigen die Brandstufen hinan, die wir im Sommer hinab kamen. Als wir am Brandgasthaus anlangen beginnt es leicht zu regnen. Wir entscheiden uns dennoch nicht einzukehren und gehen weiter.
Der Schulzengrund führt abermals talwärts zur Polenz. Unten rottet das Gaststättengebäude der Waltersdorfer Mühle. Das Mühlengebäude wurde in den Neunzigern erst abgerissen. Im früheren Ferienheim der Zeitung „Junge Welt“ hat Christoph Büttner aus Porschdorf 2005 wieder einen Ausschank geöffnet. Vom Brand kommend macht es einen unbehausten Eindruck. Auf der Rückseite ist die Fassade bereits erneuert, trägt aber keinen Hinweis auf Gastlichkeit. Nur ein unscheinbarer Wegweiser lockt hinter der Brücke die Gäste an. Wir bestellen an den großen Fenstern zum Gästegarten Linsensuppe, Bier, Bockwurst und Bockbier und Käseteller mit Oliven und setzen uns draußen hin. Unterdessen steigt die Sonne verheißungsvoll über der Talkante. Es wird Zeit das wir wieder an Höhe gewinnen um in ihren wohltuenden Schein zu gelangen, der den Grund nicht verreicht.
Wir steigen den Grund hinauf, biegen in die Ziegenrückstraße, die uns durch Waltersdorf dem Lilienstein entgegenführt.
Auf dem Hochland hinter dem Elbtal baute Napoleon eine Heerstraße. Der Lilienstein diente als eine Art Vorburg des Königsteins. Der Kaiser mißtraute den Sachsen. Im Jahre 1813 war hier ein Kriegsschauplatz.
Am Lilienstein wurde 1944 ein Kriegsgefangenenlager angelegt. Im März und April 1945 starben hier sechs amerikanische Kriegsgefangene und hundertsiebzehn deutsche Vertriebene vom November 1945 bis August 1946. Deren Namen hält das 2015 erneuerte Denkmal Waldfriedhof Lilienstein lebendig.
Bevor zum Lilienstein aufsteigen verabschieden wir unseren älteren Wanderfreund gen Königstein. Er war häufig auf dem Berg. Aufwärts gehend werden wir noch einmal warm. Der sonntägliche Hauptansturm liegt bereits zurück. Eine späte Herbstsonne vergoldet uns die Bäume und Sandsteinobelisken auf dem Gipfel.
Ein großer Obelisk wurde vom Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz zum Jubiläum der Wettiner 1889 errichtet. Die endstrichlose Schrift über den früheren Befestigungsstellen läßt deren Anbringung erst nach dem 900. Jubiläum des Hauses vermuten. Die wiedererwachende Zuwendung zu den Wettinern begleitete und bestimmte die Veränderungen von 1989 und die Neugründung des Freistaates. Der ermüdenden Geduld mit den Bürokraten und Funktionären entsprach damals ein erwachender Lokalpatriotismus. Einer unserer Wanderfreunde hatte am Vortag dem Festakt zur ersten Ausrufung des Freistaates Sachsen vor hundert Jahren beigewohnt.
Wir bleiben in einem Geflecht von Jubiläen verstrickt. Vor zehn Jahren wurde der Erinnerungstein an die Ersteigung des Lilienstein durch August den Starken im Jahr 1708 erneuert. Für die Erstbesteigung durch einen Landesherrn soll damals der Südaufstieg angelegt worden sein.
Von der Ostspitze schweift der Blick elbaufwärts am Prossener Hafen vorbei nach Böhmen zu.
Vom westlichen Ausblick hebt sich der Gohrisch aus der Landschaft.
Beim Abstieg über die Ebenheit sehen wir die Sonne hinter dem Königstein versinken. Die Fähre bringt uns über den Fluß und nur einen Augenblick nachdem wir am Bahnhof Königstein eintreffen fährt auch schon unsere Bahn in Richtung Meißen ein. Ohne einen Umstieg gelangen wir diesmal nach Hause.
Wanderung von Hirschstein nach Meißen
27. Oktober 2018
Von Meißen aus fahren wir mit dem Omnibus erst entlang der Elbe und gelangen dann durch eine liebliche wellige Landschaft nach Althirschstein. Dort wartet der Berliner Wanderfreund. Er ist mit der gleichen Linie aus der Gegenrichtung von Riesa her eingetroffen. Von Althirschstein bis zum Schloß Neuhirschstein erstreckt sich längs des Ufers eine Anhöhe. An deren nördlicher Seite ersteigen wir einen Burgwall.
Im Wald hinter dieser frühen Befestigungsanlage, erst Fluchtburg, dann Wachtburg über der Furt, sind Merkmale des früheren Landschaftsparks anzutreffen, wie die alte Buche mit weit ausladender Krone.
Elblachen und Hafenreste erinnern an die einstige Bedeutung der Wasserstraße. Hier befand sich eine Elbinsel, großer als jene bei Gauernitz. Vierzig davon soll der Fluss im Dresdner Elbtal enthalten haben.
Dem Schloß Neuhirschstein ist die letzte Nutzung als Kinderheim noch anzusehen. Ein berühmter Arzt bewirkte spektakuläre Heilerfolge bei Bettnässern. Aus den pathogenen Folgen des Kriegs entstanden, konnte die Einrichtung den nächstfolgenden Systemzusammenbruch nur um wenige Jahre überstehen.
Das verlassene Schloß wird heute für eine Veranstaltung geöffnet. In jedem Zimmer wird den Kindern eine andere Beschäftigung angeboten. Im letzten Raum lassen wir uns vorfristig erst vom Magier Born aus Wülknitz bezaubern, dann erzählt uns eine Spinnerin über ihr Handwerk und ein Märchen. Auf Kaffee und Kuchen im benachbarten Saal verzichten wir, da wir diesen im Rucksack für kommende Rast mitführen.
Als wir uns nach dieser vorfristigen Probe anschicken das Schloß zu verlassen geraten wir in die Eröffnungszeremonie der Veranstaltung. Auf der Schlosstreppe erleben wir den Einzug des Lommatzscher Spielmannszugs. Ihm folgen geputzte Gestalten aus Märchen und Sage. Sie stellen sich rings im Vorhof auf.
Ein lieber Freund und Wanderveteran meldet unterdessen sein Eintreffen an der Fährstelle. Der Ferge wußte ihm nicht von uns zu künden und bestätigte ihm, der erste zu sein, der heute überzusetzen begehrte. Wir lassen ihn warten, indem wir rasch noch die Grabstelle der Familie Crusius besuchen. Während wir an der Elbe weiter gen Niederlommatzsch ziehen, ragt nun hinter uns das Schloß auf dem Felssporn über dem Fluß auf. Von der anderen Seite her kommend, hatte es der Wald vor unseren Blicken verborgen.
Der Freund hat sich nicht verdrießen lassen und sammelte unterdessen die Walnüsse auf, die auf der Wiese nahe der Fährstelle liegen. Mit einer Tüte voll Nüsse vergilt er großherzig unsere vorübergehende Untreue, entschuldbar nur durch die überraschenden Angebote im Schloß.
Der Markgrafen Heinrich hatte den Klarissen seinen Landsitz Seußlitz geschenkt. Später, als ihr Kloster längst wieder aufgehoben war, hat Heinrich von Bünau 1722 sein Schloß von George Bähr errichten lassen, dessen Erfindung wir auch die Seußlitzer Kirche und die Dresdner Frauenkirche verdanken. Die Kartusche über dem Hauptportal nennt den Kanzler des polnischen Königs und sächsischen Kurfürsten.
Das Schloß bleibt geschlossen, dafür befindet sich gegenüber dem reizenden Café, geführt von der früheren Leiterin des Radebeuler Weinbaumuseums Hoflößnitz, eine Informationsstelle. Die Kirche aber ist gleichfalls geöffnet. Wir verweilen davor und laben uns an heißem Kaffee, Apfelkuchen und Gespräch.
Die Gegend um Hirschstein und Diesbar-Seußlitz war während der Zeit der DDR ein beliebtes Urlaubsgebiet. Die privat untergebrachten Gäste des Feriendienstes der Einheitsgewerkschaft nutzten die Heinrichsburg als Kultursaal. Über einen Kilometer in der Länge schließt sich der Wall mit der Goldkuppe an. Um das Fundament einer Turmburg zu gewinnen, wurde im Mittelalter ein Stück durchbrochen. Von der Hangkante überblicken wir die Flußbiegung und den fernen Collmberg in der Leipziger Tieflandsbucht.
Die leicht geneigte Hochfläche ist mit Weinstöcken besetzt. Anders als auf den Steillagen werden nicht die Trauben geerntet, sondern die Beeren maschinell abgerüttelt. Am Ausgang wurde der mächtige Wall wieder für den Weg durchtrennt. Die sandige Abbruchkante löchert eine Kolonie von Bienenfressern. Die farbenprächtigen und wärmeliebenden Vögel sind in den letzten Jahren zunehmend hier heimisch geworden.
Durch das Brummochsenloch und das Bohntal gelangen wir nach Löbsal, nicht immer auf gebahnten Wegen, quer über Hänge und durch Weiden. Bei heiterem Wetter an einem langen Sommertag möchten wir in das verlockende Lokal von Löbsal noch einmal zurück- und einkehren. Gewiß zeichnet das Jägerheim nicht nur sein behaglicher Sommergarten aus. Nun aber gehen wir am Nonnenstein vorbei durch den Golkwald nach Zadel. Dort wird handstreichartig dem Berliner Freund ein Fahrzeug gekapert, damit er am Meißener Bahnhof seine Rückfahrt rechtzeitig anzutreten vermag.
Die Zurückbleibenden teilen sich in Zadel in eine Flasche vom Proschwitzer Gutes und verhocken damit ein Weilchen im Freien. Auf dem Zadeler Kirchhof erinnern einige Gräber an das schwere Schicksal deutscher Vertriebener und einheimischer Zivilisten. Eine Figurengruppe aus Sandstein gilt vier ertrunkenen Kindern, die den „gemeinsamen Tod im Elbstrome am 14. Februar 1902“ fanden.
In der Kirche präpariert sich eine Schauspieltruppe aus Berlin-Mitte für die abendliche Vorstellung.
Im schwindenden Tageslicht werden wir des Meißner Burgbergs ansichtig.
Bereits im Finstern steigen wir zur Elbe hinab.Auf dem Parkplatz unter der Brücke verabschieden wir die beiden Nestoren unserer Wandergruppe und wenden uns dem Bahnhof zu.
Bis 1928 wurde der Meißner Bahnhof nach Plänen von Wilhelm Kreis erbaut. So sachlich er von außen wirkt, so würdevoll ist das Innere gehalten. In der Bahnhofsrestauration „Saxonia“ mit angeschlossener Kegelbahn bedient uns der redegewandte Wirt höchstselbst. Bei Sauerbraten, Würzfleisch, Kraftbrühe, Heringen mit Bratkartoffeln und Salat wird uns sogleich wieder warm. Bald glühen wir innerlich wie Öfen im Speisenruch und Menschendunst, den wir zugleich vermehren. Ermüdet von diesem seit langem kältesten Wandertag und sinken wir daheim erschöpft in die Falle und schlafen bis zum Morgen durch.
Wanderung durch die Garsebacher Schweiz
14. Oktober 2018
Zwei Wanderfreunde befinden sich bereits im Omnibus nach Rüsseina als wir vier im Triebischtal zusteigen. Spontan entscheiden wir, uns von der Zonierung durch die Oberelbschen Transporteure begrenzen zu lassen und steigen darum schon in Miltitz aus. Dort windet sich der Pfad hinterm Bahnhof vorbei. Seit einiger Zeit verkehren auf diesem Abschnitt der alten Linie Coswig-Borsdorf der Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie nur noch Güter, die Personenbeförderung über Döbeln in Richtung Leipzig wurde eingestellt.
Bergan gelangen wir nach Miltitz. Die ältesten Bauteile des Schlosses präsentieren sich besonders schlicht. Zwei schwarze Unterbuxen flattern auf der Leine und über einem Portal prangt das Heynitzsche Wappen.
Drei Damen knieen seit dreihundert Jahren unter einem pompösen Epitaph an der Südwand der Kirche von Miltitz. Den Kirchhof betreten wir über den alten Kastanienhain.
Wo im Hochsommer mühseliges Fortschleppen ist, da bieten sich im Herbst die heitersten Promenaden. Nach Luga führt uns erst eine Asphaltstraße, die nach der Kreuzung dann zu einem wildromantischen Feldweg ansteigt.
Das eigentlich auf der Höhe liegende Luga ist bei starkem Regenfällen gleichwohl von heftigen Überschwemmungen betroffen, da die umliegenden Felder ihm kaum merklich zugeneigt liegen. Hinter dem Ort nehmen wir einen Wildpfad und erreichen von der Feldseite her den Burgwall von Robschütz. Der soll den alten Wall am Jokischberg am gegenüberliegenden Hang der Triebisch ersetzt haben. Auch ungarische Pfeilspitzen sollen hier gefunden worden sein. Die archäologisch Informierten geben uns eine sinnliche Vorstellung von diesen rücklings aus dem Sattel zielenden Reiterbarbaren, die keine Gefangenen nahmen.
Wir begeben uns zu Tal, wo noch ein Pfeiler des Viadukts der Schmalspurbahn von Wilsdruff nach Gärtitz verblieben ist. Die anderen wurden nach dem letzten Hochwasser abgebrochen. Vor dem bis 17 Uhr geschlossenen Gasthof in Garsebach rasten wir bis ein weiterer Wanderfreund dazustößt, der mit einem späteren Bus anreiste. Mitsamt ihm steigen wir hinauf zu den Pechsteinklippen.
Aufgeschlagene Gesteinsbrocken zeigen eine splittrig-glasartige grüne Beschaffenheit des Pechstein. Eine Schrift von 1930 bezeichnet die Klippe als vormals der Siemens AG gehörig und aus Schutzgründen durch den Landesverein Sächsischer Heimatschutz erworben. Am Feldrand entlang gehen wir bis zur Hangkante, wo sich die sonnenbeschienene Wand des Porphyrbruchs Dobritz vor unseren Augen breitet.
Nach diesem im Wortsinne aufschlussreichen Blick umgehen wir das Tälchen, durch die Viehweide, an Windrädern vorbei, die hier völlig fehlplatziert sind und laufen bei Dobritz hinter den Häusern über die Felder zum Götterfelsen, dem anderen Ort des Zutagetretens des Pechstein-Ganges zwischen Garsebach und Korbitz.
Über die Jahre seit seiner Errichtung 1843 in Erinnerung an das Landesgymnasium St. Afra wurde das Kreuz auf dem Felsen vom Wetter patiniert. Ein Foto von 1981 zeigt noch an der vom Abhang abgekehrten Seite des Sockels eine Gußplatte mit Inschrift. Ein Riß in der Sockelhülle kündet von der rohen Gewalt mit der diese heraus gestemmt wurde.
Einmal mehr missen wir angesichts der Inschrift unseren invaliden Lateiner. Er würde uns sogleich unschwer und ungefragt mitteilen, wer erhaben ist und wer erhoben wird oder was auch immer.
Die Hohe Eifer im Stadtwald ist eine Wallanlage oder, je nach Jahreszeit, auch ein profanes Maisfeld. Zwei von uns wenden sich hier schon zu Tal, während wir den Naturlehrpfad über den Stadtwald nehmen.
Die Streitparolen längs des Weges in die Innenstadt lassen Meißen als ein anderes Belfast erscheinen. Unter der großen Linde vor dem Dom treffen wir den unterdessen gelabten Freund wieder und lassen unseren Streifzug in einer Wirtschaft mit Blick auf die Altstadt ausklingen.
Wanderung durchs Kohrener Land
30. September 2018
Die drei Dresdner, von Chemnitz kommend, warten in Narsdorf auf den Leipziger Zug, dem sechs Leipziger und ein Schwarzbacher entsteigen. Über recht eintönige Straße geht es vorbei an der „Gräfe-Arena“.
Die von Chemnitz kommende bislang bei Borna endende Autobahn muß auf dem Weg nach Ossa gequert werden. Die Felder sind gezeichnet, ob von einer Autobahnbaufolgelandschaft oder robust angelegten Ausgleichsflächen ist nicht zu erkennen. Alte Wegzeichen bekräftigen die Richtung.
Am Hegeteich vorbei gelangen wir an einen mit Eseln bestandenen Wiesenplan.
Über einen Höhenrücken führt eine köstliche Allee von Birnen und Äpfeln nach Terpitz. Den ganzen Tag herrscht eitel Sonnenschein, der überall die Früchte kostbar aus Laubwerk und Wiese aufscheinen läßt.
Unter der Linde im Pfarrhof der Kohrener St. Ganglof Kirche halten wir eine ausgiebige Rast mit Kuchen, Kaffee und Zigarillos.
An den Wänden der kleinen gepflegten Häuser werden Obst und Wein am Spalier gezogen.
Die Stadtbibliothek redet noch Fraktur mit ihren Ausleihern.
Über Kohren ragen die zwei Türme der Burgruine.
Wir unternehmen einen Abstecher nach Rüdingsdorf um durch die Fenster des Pavillons die Fresken des Moritz von Schwind auszuspähen.
Im Park um das Herrenhaus Rüdingsdorf steht alter Baumbestand und es liegt ein grün überzogener Teich darin. Die Namen der fließenden Wasser bilden eine Nahrungskette nach, die Maus wird von der Ratte verschlungen und dann zur Katze, die schließlich in die Whyra fließt. Entlang dieser Wasser wandelten die Dichter Gellert und später auch Julius von Mosen.
Wir steigen aus dem Park hinauf und über den Lenkersberg.
Eine gewaltige Anlage ist das Rittergut Sahlis.
In den Erntekisten kontrastiert der frische Reichtum des reifen Obstes mit der mürben Substanz vormaliger Herrschaft.
Unterhalb der Kohrener Burg biegen wir auf einen alten Bahndamm nach Frohburg ein. Nach langem Weg auf der früheren Trasse der Eisenbahn rasten wir an einem der Teiche im Streitwald dann noch einmal.
Die energische Deviseprangt an einem Frohburger Bauwerk unerkannter Bestimmung. Der ermüdete Fotograf schritt dort rastend seitwärts und hielt stille für ein Lichtbild.
Auch in Frohburg gibt es ein großes Schloß. Das Schloßcafé jedoch vermochte uns nicht zum innehalten veranlassen. Wir wollten zum Markt und sehen, wie es um die Frohburger bestellt ist. Ein mythologischer Brunnen bewacht ihre Sonntagsruhe.
Es gibt nur ein Café am Markt, daß uns ebensowenig einladend bedünkt. Ein Angebot an Geschenken und Textilien wird von Vietnamesen bereitgestellt.
Die grüne Aue war ein beliebtes Tanzlokal. Doch es gibt auch hier keinen schönen Freisitz und wir wollen uns an diesem sonnigen Sonntag nicht zwischen Täfelung und Gardinen zwängen. Ein Stück weiter lädt ein Schriftbogen über dem Durchgang in das Waldschlößchen und lockt mit Billard, Internet und Biergarten. Ein Mann mit einer unsichtbar wehenden Fahne rät uns mit schiefem Lächeln vom Besuch des benachbarten Etablissements ab, während er in der Aue verschwindet. Ein Kundschaftergang durch den Torbogen vorbei an unerschöpflichen Holzvorräten stellt freundliche Einkehrmöglichkeit in Aussicht. Bis eben saßen hier nur die Inhaber. Sogleich wird eifrig gerückt und Stühle werden für uns herangeholt.
Der Inhaber erzählt, 1908 habe der Großvater das Haus gekauft, als Konditorei und später auch mit Tankstelle betrieben. Er selbst war Chefingenieur bei Ferngasbau Engelsdorf und an der Trasse tätig. Nach 1989 hat er das Waldschlößchen wieder eröffnet und bald fanden sich mehr Gäste als in der Aue. Inzwischen jedoch ist wieder Ebbe und nur wenige Trinker verharren im Halbdunkel am Tresen. Außen an den Fenstern zu lesen ist „Spielhalle“. (Wir kennen Ähnliches aus Radebeul vom ehrwürdigen Traditionsgasthof „Weißes Roß“.)
Wo einst die Gäste in Scharen saßen sind Massen von Brennholz geschichtet. Wenn er mal nicht mehr kann, dann habe seine Frau noch zehn Jahre Stoff zum Heizen da, sagt der Hausherr.
Es gäbe noch viel wiederzuerzählen. Vielleicht kommen wir wieder, anläßlich der Ausführung eines der seiner Wandervorschläge, z. B. durchs Brausetal. Wir sind uns mit dem einstigen Fremdarbeiter einig, daß man nicht ins Ausland fahren muß. Die Rechnung ist so moderat, wie der Empfang unkompliziert war. Wir bekommen noch auf dem Weg zum Bahnhof einen schönen Abstecher durch den Wald beschrieben, beim Töpferliesel rechts in den Busch. Dort holt uns dann auch noch der blondschopfige Enkel mit dem Fahrrad ein und bringt den vergessenen Wanderstock nach. Durch von Abendsonnen verklärte Waldwege laufen wir zur Eisenbahn, welche die Leipziger gerade noch erreichen. Die Dresdner haben eine halbe Stunde zu warten. Eine der schönsten Wanderungen diesen Jahres geht zu Ende.
Wanderung durch die Schwoikaer Schweiz
16. September 2018
Seit langer Zeit schon wird an der Strecke der Böhmischen Nordbahn im Polzental gebaut. Also müssen wir in Bodenbach wieder in den Ersatzomnibus steigen. Erst in Bensen geht es mit der Bahn weiter. Erst wird rangiert und dann darf zugestiegen werden. Gottlob ist hier die Loyalität gegenüber dem Fahrgast größer als gegenüber dem Fahrplan. Alle Anschlüsse in Böhm. Leipa und bis Haida werden erreicht.
Wanderfreund Jan macht aufmerksam auch das originelle Überblendungsphänomen alter Baukunst in altneuen Behausungspragmatismus. Da der Wanderführer zu fanatisch auf den falschen weg fixiert war, hat er das wirklich schöne Motiv nur sehr beiläufig mit der Kamera skizzieren können.
Der unnötige Umweg durch das Gorbitz von Haida und der anschließende Schwenk in dessen Oberloschwitz lassen den Eintritt in den Wald umso reizvoller auf uns wirken.
Wo der Blick übers Land frei wird, da treten die beiden Bösigberge hervor, durch den Dichter Macha in die tschechische Literatur eingeführt.
Da Verpflichtungen mehrere Teilnehmer einer zeitigeren Rückkehr geneigt machen wird Bürgstein durcheilt. Diverse Zigeuner-, Samuels- und sonstige Höhlen nicht näher inspiziert. Auch das Schloß sehen wir nicht. Nur die Reste der Renaissance-Torbogen.
Der Einsiedlerstein ist die Hauptsehenswürdigkeit. Der Parkplatz steht voller Wagen. Auf den Wegen zwischen den Höhepunkten der Schwoikaer Schweiz sind kaum Wanderer zu sehen. Dafür stürzen oft Kampfradler an uns vorbei, die an aufgestellten Stationen im Wald ihre Karte lochen, und wieder abdrehen.
Über den Wachstein mit seinem Aussichtsturm und der Waldbühne laufen wir weiter bis zum Slabitschken. Dort sitzen schon drei lustige Tschechen. Sie weisen einladend auf den Kocher, wo ein Süppchen siedet. „Polévka?“ Ja, wir werden verstanden, man lacht, wir setzen uns allerdings eine Klippe weiter und trinken Kaffee aus der Thermoskanne, dazu gibt’s Zimtschnecken vom lieben Töchterlein…
Auf dem weiteren Weg stoßen wir dann doch noch auf eine der Höhlen, die Wachtstube.
Am Eingang zum Betgraben steht die Felskapelle, ihr Inneres birgt eine Madonna in der künstlichen Grotte.
Schon in Bürgstein waren viele Häuser der alten böhmischen Volksarchitektur noch erhalten, so auch in Schwoika.
An der Schwoikaer Kirche biegen wir in einen Feldweg nach Böhmisch Leipa. Den Besuch von Reichstadt vertagen wir zugunsten einer unkomplizierteren Rückfahrt. Der Fußweg wäre ungefähr gleich weit nur die Bahnverbindung ungleich komplizierter, samt Schienenersatz und langer Wartezeit in Bodenbach.
Immer wieder ergeben sich eindrucksvolle Ausblicke in die Berge.
Sehr markant der Rollberg, Ralsko. Wir nähern uns der Stadt und vom dortigen Wohngebiet Oberspitzberg kommen uns bereits Spaziergänger entgegen.
Durch das Plattenbaugebiet und ein großes Krankenhaus gehen wir hinunter in die Stadt und am Polzen entlang zum Bahnhof. Daß heißt der alte Leipaer Bahnhof mit seinem chamanten Biergarten ist stillgelegt ein Stück weiter vorn ein völlig gesichtsloser Bau entstanden. Der alte Imbiß in der Güterhalle ist ebenfalls geschlossen. In Bensen müssen wir wieder in den Omnibus umsteigen.
In Bodenbach verbleiben uns anderthalb Stunden Aufenthalt. Die nutzen wir und steigen hinauf zur Schäferwand, wo ein kühles Getränk zu haben ist. Von der Terrasse blicken wir hinab und hinüber nach Tetschen, wo am Ufer der Elbe eine kleine Freiluftveranstaltung mit großem Lärm stattfindet.
Wanderung von Bischofswerda nach Kamenz
26. August 2018
Von Bischofswerda gehen wir an den abgeernteten Feldern vorbei an Klengels Ruh bis zum Butterberg.
Nach den Hitzewochen ist es herbstlich frisch geworden. Zum ersten mal tragen wir wieder Jacken bei unserem Streifzug.
Die Ausflugsgaststätte mit Aussichtsturm erwartet die Gäste, die nach uns kommen werden. Tische und Stühle stehen noch leer.
Zu Seiten unseres Wege weitet sich der Blick die auf das lausitzische Bergland dessen westliche Erhebungen wir zwischen Rammenau und Burkau durchwandern. An der Lehne des Tanneberges vorbei biegen wir parallel zur Autobahn, deren Rauschen die Luft erfüllt hinab in Richtung Waldscheibe. Vor dem Teich lenken wir wieder ein und nehmen die alte Unterführung unter der Autobahn. Hätten wir die Grünbrücke gefunden, wäre auch ein Abstecher zur Elsterquelle möglich gewesen. Allien die Fahrradkarte ist einsilbig und die Wegweiser gaben auch keine guten Empfehlungen. Schön ist es gleichwohl.
Am Hochstein oder Sibyllenstein läßt sich schon eine kleine Gruppe ihr Flaschenbier schmecken. Eine Tiroler Wandergruppe hat sich hier 1902 tief in den Granitfelsen eingekerbt. Wir besteigen die Kanzeln des Felsens und sehen bis zum Collmberg im Leipziger Becken.
Hier ist noch ein rostglattes Eisengeländer aus alten Zeiten, kein protziges Edelstahlrohr. Die Treppen sind behauen und geglättet und schauen so aus, wie in der Stadt die Bordsteinplatten, welche wohl aus den Lausitzer Brüchen herstammen. Hier gibt es das im Überfluß. Einer aus der Gruppe zeigt usn bereitwillig den Schacht in dem die Sibylle gehockt haben soll und durch den zur Sonnenwende das späte Licht fällt. In den zahlreichen handtellergroßen Mulden auf dem Stein sollen Fett-Feuer die kultischen Handlungen in schummerigere Feierlichkeit getaucht haben. Der Mann ist skeptisch aber begeistert. Am Felsen sind Metallbänder angebracht mit den jährlichen Siegern des Wanderpokals „Nackte Sibylle“. Den erhält, wem die meisten Einträge im Gipfelbuch stehen. Die Betreffenden ersteigen die Klippe oft mehrmals am Tag.
Über den Ohorner Steinberg an den eine Steinpyramide kennzeichnet suchen wir zu zweit die Wallanlage und den Steinbruch am Burgstall. Am Wasser wurde Anfang der Siebziger eine Szene der Eichendorff-Verfilmung „Aus dem Leben eines Taugenichts“ mit Dean Reed gedreht. Ein Jugendfreund unseres Wanderfreundes hatte damals zehnjährig für seinen Vater die Pferde gestellt und mit angeklebten Backenbart auch auf dem Kutschbock gesessen. Später am Tag treffen wir ihn als den Anstifter des Wiesaer Ackertags.
Oberhalb von Rehnsdorf treten wir aus dem Wald. Auf dem Feld neben der Straße steht die alte Gerichtslinde. Hier warten die beiden Freunde auf uns.
Die Gunnarbank wurde aus einem Fichtenstamm gebaut und soll die längste Bank Sachsens sein.
Der alte Gasthof „Zur Linde“ in Rehnsdorf ist abgerissen. Der in die Linde gebaute Balkon verwaist, denn der neue Gasthof im Eigenheim aus DDR-Zeiten seit Anfang des Jahres geschlossen. Er ging zwar gut, doch der Inhaber soll durch anderen Aufgaben beansprucht sein. Allerdings vermietet er noch Zimmer unter anderem bevorzugt an die Kampfradfahrer, die sich den Schwarzen Berg herabstürzen wollen im „Bikepark Elstra: Black Mountain“.
Wir müssen eine Strecke über Asphalt treten um über Talpenberg das mit Wimpeln herausgeputzte Elstra zu erreichen.
In der Michaeils-Kirche hat der aus Elstra stammende Organist Matthias Eisenberg bereits als Knabe zu den Diensten musiziert. Das im Wortsinne etwas zackige Kriegerdenkmal wurde auf den Vorschlag eines besorgten Bildungsbürgers mit hochstämmigem Bewuchs eingehegt. Der Geschichtsverein will diese häßlich-militante Vertikalhecke bald wieder entfernen und die Stele reinigen.
Auf dem Markt zum Stadtfest ereignet sich ein großes Hallo für unseren aus Prietitz stammenden Freund. Bruder, Neffen und Nichten, alte Freunde. Für uns bekommt Elstra und Umgebung ein, nein sogar mehre, Gesichter. Wir holen Kaffee, Kuchen aus dem Zelt und, Bier und Fleisch von den Ständen und sitzen eine Weile in bester Gesellschaft an der Festtafel.
Gen Richtung Prietitz verlassen wir Elstra.
Nahe der Hainmühle sind Reste eines alten Eisenbahnviadukts zu sehen. Personenverkehr gab es bis 1968 auf der Strecke zwischen Bischofswerda und Kamenz. Ein letzter Dampfzug fuhr 1996 von Kamenz bis Wiesa. Erst 2004 wurden die Gleise entfernt.
Prietitz ist ein besonderer Ort. Sein Verhältnis zur benachbarten Stadt Elstra ähnelt dem von Fiesole zu Florenz. Prietitz ist älter und geheimnsivoller. Es birgt sich reizvoll im Gelände, so wie das alte Colm im Sattel der beiden Collmberge.
Kirche, Gutshaus, Schloss und alte Schule stehen beisammen. Auf dem altersschwarzen Holz der Tür zur Telefonzelle des kleinen Postamtes rastet der Windenschwärmer (Agrius convolvuli), den Streifen und Gezacke seiner Flügel nach zu urteilen. Sibylle Merian will darin eine geheimnisvolle Schrifterkannt haben...
Die Prietitzer Schanze ist bedeutend nicht zuletzt wegen ihrer Beziehung zum jahrhundertelang belebten Ort, den sie heute noch aus ihrer Vorzeit heraus überragt. Abfallende Felswand, sumpfiges Gelände, Erdaufschüttung sicherten die Milzener allseits vor Heinrich I..
Durch eine Eichenalle und entlang des Altlaufes der in den sechziger Jahren verlegten Elster gelangen wir zur ruinösen Dammmühle, wo die Großmutter unseres Freundes lebte. Vor Wiesa endet der Weg nach Kamenz. Über den Acker gehen wir nach Wiesa wo der Ackertag zu End geht.
Die Traktoren erregen zwei Säulen aus Erdstaub und blauem Abgas ihres hart schlagenden Motors. Aus einem Lautsprecherwagen tönt böhmischen Blasmusik. An einem Tisch sitzen noch lehmige Gestalten denen der Hut am Kopf festgewachsen scheint. Weiße Haarsträhnen umflattern kartoffelbraune Häupter...
Der Wiesaer Kirchweg bringt uns nach Kamenz hinein. Dem von Dresden kommenden Zug entsteigen Fußball-Freunde mit langen Gesichtern, denn Dynamo hat den Saisonbeginn verhauen.
Wanderung von Niederau nach Moritzburg
5. August 2018
Mit dem Leipziger Zug fahren wir bis Niederau, wo sich der Berliner Wanderfreund anschließt, der in einem Hotel dieses Ortes genächtigt hat. Das Bahnhofsgebäude Niederau auf der Dresden-Meißener Strecke wurde 1942 erbaut und gilt als das älteste erhaltene in Deutschland. Die letzte Rstaurierung muß erst etwas Patina ansetzen, damit einen dieser Umstand wieder beeindrucken kann.
Eine Frau aus dem Ort schloß uns gegen Viertel Neun die Kirche auf. Sie hat hier 1962 bei 22 Grad Kälte geheiratet, dabei wurde noch versucht mit dem riesigen gußeisernen Ofen zu heizen. Wegen des halbrund durchgehenden Gestühls will heute niemand mehr in Oberau heiraten, da das Brautpaar nicht durch einen Mittelgang „treulich geführt“ zum Altar schreiten kann. (Niederau entfällt wegen des modernen Altarbilds über „Das Tun der barmherzigen Liebe“ von 1973 ebenfalls...bleibt nur Großdobritz.)
Die qualitätvolle Kopie nach dem oberen Teil von Raffaels letzten Gemälde verdeckte vormals den Korb der Altarkanzel, so das gerade nur der Kopf des eher untersetzten Oberauer Pfarrers darüber hinauslugte. Wegen der marode gewordenen Anbringung lehnt es derzeit unter der Empore an der Wand.
Die Oberauer Katharinenkirche geht auf eine romanische Kapelle zurück, deren Abmessungen an dem Raum unter dem Turm nachvollziehbar geblieben sind. Die Kirche enthält zahlreiche Grabmale der Familie von Miltitz. Der 1774 bei einem Kuraufenthalt in Pisa verstorbene Ernst Haubold von Miltitz empfing 1769 Christian Fürchtegott Gellert auf seinen Besitzungen und war der Förderer von Johann Gottlieb Fichte.
Die Kirche diente den Freiberger Bergleuten 1837-38 zur Andacht, als sie den später dann aufgeschlitzen Tunnel anlegten. Lange noch wurde ein Altartuch mit den Bergmannszeichen (Gezähe) hier aufbewahrt. Es ist unterdessen aus konservatorischen Gründen nicht mehr vor Ort zu sehen.
Die Anlage um das Wasserschloss Oberau ist noch vollständig von der alten Gutsmauer eingehegt. Ein Verein bewahrt den Bau vor dem völligen Verfall.
Den Treppenhausanbau erhielt das Schloss erst um 1900. Die letzte Bewohnerin bis 1945 war eine Frau von Carlowitz, geborene von Arnim.
Früher war hier noch öffentliches Leben. Heute wirkt alles wie stillgelegt. Eine Sgrafitto-Schrift zeichnet ein Haus im Ort als Kulturstätte aus...
Am Teich des Buschbads ist das im Hiking- und Trekkingzeitalter rar gewordene Vergnügen einer Gondelfahrt zu genießen.
Auf unserem Weg drehen zwei Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus) je eine gewaltige Kugel.
….weiter geht es über den Oberauer Großteich.
Auf dem Parkplatz der Mistschänke lassen wir uns durch eine Auskunft verleiten, den immerhin grün markierten Weg in Richtung Heidehof einzuschlagen. Bis zur Tote-Mann-Wiese geht alles soweit gut.
Dort verendet unser Weg im Windbruch. Trotz Markierung ist hier kein Durchkommen. Hätten wir nur auf die warnende Frau des Auskunftsgebers gehört. Durch feuchtes Gras, umgefallene Bäume, Gräben und Reisighaufen erreichen wir mit dem zusammengefalteten Kinderwagen bewehrt mühsam die Straße auf deren anderer Seite es zur Tongrube geht. Die hat in den zurückliegenden Jahren ihre bestechende blaue Farbe eingebüßt. Von einem eintauchenden Bad sehen wir ab… andere lassen sich nicht schrecken.
Ein Gruppe junger Insassen der Suchtklinik Heidehof bestätigte uns während ihrer Rauchpause den Weg zu den Altenteichen, der durch die Anlage führt, vorbei am wohlbestellten Gemüsegarten und den Glashäusern mit Tomaten. Auf dem kleinen Hügel am Oberen Altenteich rasten wir unter der großen Buche.
Mit etwas Geschick gelang es uns vom X-Weg auf die Nebenpfade abzubiegen, die zum westlichen Eintritt in den Hohburg-Tunnel führten.
Unweit vom vormaligen Oberauer Tunnel waren wir aufgebrochen um nun durch einen Tunnel zum Schloß Moritzburg zu gelangen.
Im Kaffee Strauß im Rüdenhof, wo Käthe Kollwitz ihre letzten Tage verbrachte, lassen wir uns Kuchen, Kaffee, Brezeln und Bier an den Freisitz mit Schloßblick bringen und verbringen dort die Zeit bis zur Abfahrt unseres Busses.
Wanderung vom Sebusin nach Leitmeritz
22. Juli 2018
Wir nahmen 7:50 Uhr den seltenen Regionalzug von Dresden nach Leitmeritz und stiegen in Sebusein aus.
Zu Beginn war die stärkste Steigung der Wanderung zu bewältigen, denn wir mußten aus dem Elbtal hinaus auf die rechtselbischen Höhen des Böhmischen Mittelgebirges. Im Walde standen die Reste von hölzernen Schanzen, auf denen sich die Gewaltradler einst zu Tal gestürzt haben mögen. Mountainbike Downhill Sebusein.
Es blieb den ganzen Tag bewölkt. Auf dem Aarhorst windete es gar so, daß es einem kühl wurde. Später dann machte sich die brünstige Sommersonne auch durch die Wolkendecke hindurch bemerkbar. Von dem vor gut fünfzehn Jahren auf dem alten Steinfundament wiedererrichten Turm haben wir einen Ausblick einerseits zum Erzgebirgskamm, zum Milleschauer und in Richtung Leitmeritz, wohinter sich das Prager Becken zu erstrecken beginnt.
Im Sattel des Aarhorst empfängt uns eine Savanne. Die Wiesen sind abgeweidet und von der Sonne verbrannt.
Die Hochflächen dieser Elbseite von Tetschen bis Leitmeritz werden wie vor Zeiten noch zur Viehweide genutzt. Dazwischen winden sich aus großen Steinen gefügte alte Fahrstraßen in sicherem Höhenabstand zum zyklisch sein Umland überflutenden Elbestrom.
Von Welbine nehmen wir einen gelinden Aufstieg im Schatten der mit einem langen Kamm auf den Kreuzberg führt. Von dort geht es nach kurzer Rast hinab nach Pohorschan.
Die auf der Landkarte verzeichneten Bierkrüge sind alle zugeklappt. Auch die Kneipe in Schüttenitz bleibt heute geschlossen. Dabei läßt der Ortsname trinkfreudige Einwohner vermuten. Die schütten dann wohl daheim.
In unserem Ehrgeiz aus dem verkehrstechnisch recht verwinkelt gelegenen Leitmeritz den einzigen nach Dresden durchfahrenden Zug zu bekommen, eilen wir an manchen Ost vorbei, der eingehende Betrachtung durchaus verdient hätte.
Kaum, daß wir das Schüttenitzer Schloß wahrnehmen umgehen wir auch den Katzenberg ohne die bizarre Klippe auf seinem Gipfel aufzusuchen. Der Wenzel am Raine gibt uns das Geleit.
Auch auf dem Brückenberg oberhalb Leitmeritz bleibt uns der Biergarten des Ausflugslokals versperrt.
Am Standbild des Dichters Macha vorbei…
... steigen wir die Treppen hinab in die Stadt.
Im Park gibt es dann Eis und auf dem weg in die Innenstadt entdecken wir den Ausschank einer kleinen Brauerei. Dort fließt manches Halbe von goldgelber über bernstein- bis achatfarbiger Beschaffenheit in die durstigen Wandererkehlen. Dem hingegeben erblicken wir wenig von der Bischofsstadt Leitmeritz, laufen hinter dem Markt auf Seitenstraßen zum Bahnhof, wo wir allerdings wegen einer Fahrplanänderung dann noch eine halbe Stunde warten aber uns bei einem Obscherstwenje-Kiosk Kaffee und weiteres Bier holen können.
Auf der Durchfahrt in Sebusein erblicken wir durch das Zugfenster immer noch den nämliche Stationsvorsteher wie morgens unter den Kastanien unermüdet vor seiner Station stehend.
Wanderung vom Schneeberg zum Zschirnstein
7. Juli 2018
Gegen zehn fanden wir uns am Ausgangspunkt im Örtchen Schneeberg zusammen. Zu dritt kamen wir mit einem der grenzüberschreitenden Busse, die hier seit kurzen wochenends verkehren. In Königstein war das Fahrzeug noch übervoll. An der Endhaltestelle waren wir dann die Einzigen. Der vierte im Bunde langte bald danach mit dem Taxi von Bodenbach an, wohin er am frühen Morgen mit dem Budapester Fernzug von Berlin aufgebrochen war.
Bis zur Dresdner Aussicht gehen wir die Straße.
Tatsächlich sehen wir von dort aus den Dresdner Fernsehturm hell vor dem Hang stehen und können uns daran recht gut orientieren.
In der anderen Richtung hebt sich deutlich die langgestreckte Form des Großen Zschirnstein ab, den wir gegen Abend erreicht haben wollen.
Wir nehmen von der Dresdner Aussicht einen Verbindungsweg, der uns auf das weite Sandsteinplateau des Tetschener Schneeberges führt. An einem Wasserloch lagern wir.
In der Bude, wo wir uns den Kaffee holten erhalten wir auch einen Schlüssel für den Turm, von dessen Spitze alle umliegenden Berge heute gut zu erkennen sind: der nahe Rosenberg, weit hinten der steile Kegel des Kleis, der Jeschken, der Milleschauer und der Kletschen, der Funkturm auf dem Zinkenstein, der einsam abseits stehende Geltschberg, der Rollberg, der Bösig und so weiter
Wir treten immer wieder an den Rande der weiten Ebene des Schneeberggipfels und genießen die Blicke ins Land. Bis nach Maxdorf und weiter über die Grenze ist der Weg zumeist vom Forst gesäumt und nur wenige Schneisen lassen einen Blick in die Ferne zu.
Auf der rauen heißen Asphaltdecke schiebt sich die Raupe eines Kiefernschwärmers, Sphinx pinastri, voran.
In der freundlichen Herberge in Maxdorf kehren wir auf Bier, Cola und Kofola ein und erhalten sogar Gabeln fürs Mitgebrachte geborgt. Der Berliner Freund wendet sich von dort gen Bodenbach zurück um rechtzeitig den Zug heimwärts zu erreichen. Auf den Asphaltstraßen durch den Wald überholt uns eine Gruppe von Radlern. Für die ist das Wegesystem eigentlich gemacht. Das angeregte Gespräch und ein flotter Schritt lassen uns diesen öden Weg rasch unter den Füßen wegschwinden. Nach einer weiteren kurzen Rast in einer Schutzhütte erreichen wir den unspektakulären Grenzübertritt Böhmisches Tor.
Am Wegesrand grüßt uns die Breitblättrige Stendelwurz, Epipactis helleborine. Die Pflanzenausstattung der Wiesen und Wälder ist hier im Vergleich zum Erzgebirge sonst eher kärglich. Reizend sind die rundblättrigen Glockenblumen, Campanula rotundifolia, die unseren Weg legentlich säumen.
Der Aufenthalt auf dem Großen Zschirnstein gewährt zweifellos eines der großartigsten Raumerlebnisse, das in der Sächsischen Schweiz erlebbar ist. Gegenüber sehen wir den langen Rücken des Tetschener Schneebergs sich strecken von dem aus wir am Morgen aufgebrochen sind.
(Als würde sie vor der machtvollen Schönheit des Ortes kapitulieren, versagt die Kamera auf dem Großen Zschirnstein den weiteren Dienst und es können somit keine Bilder vom Zirkelstein, der Kaiserkrone und dem idyllischen Schöna überliefert werden.)
Wir nehmen den alten Marktweg nach Schöna, der zum Teil zu einer geradlinig talwärts führenden Schotterstraße gemacht wurde. In Offene tretend, führt die Straße am Zirkelstein entlang zur Kaiserkrone. Vom Ort aus geraten unversehens in den Hirschgrund. Die Zeit wird knapp bis zur Abfahrt der Bahn. Die nächste führe in einer Stunde. Also verfallen wir zum Elbtal hin in Trabschritt und erreichen den Zug knapp.
Wanderung durch das Khaatal
17. Juni 2018
Wir brechen schon kurz nach 6 Uhr auf und fahren mit der Bahn bis Bad Schandau. Dort steigen wir in den Zug nach Rumburg um und in Niedereinsiedel/Dolní Poustevna
um, von wo der Schienenersatzbus uns bis Zeidler/Brtníky bringt. Fahrscheine will von den tschechischen Schaffnern keiner sehen noch verkaufen. Der Busfahrer raucht...
Eine prächtige Villa, heute ein Kinderheim (immer noch?) empfängt uns in Zeidler. Die Kirche gegenüber wurde erst in den siebziger Jahren abgerissen, nach der Aufhebung des Denkmalschutzes und der Mittel ermangelnd, sie zur Turmhalle oder Klubhaus der Arbeiter umzugestalten. Davor ein engelhaftes Kriegerdenkmal.
Der Wanderweg geleitet uns einen restaurierten Kreuzweg hinan.
Die Dörfer sind eine einzige zusammenhängende Sommerfrische der Prager Bourgeoisie. Alle Umgebindehäuser fein restauriert, glänzende Schlitten davor, der Rasen kurz geraspelt. So auch in Wolfsberg.
Die süßen Kirschen sind reif und manche Überhänge bequem abzuernten. Auf dem Weg zum Steinberg hinan eröffnet uns einen Ausblick unter anderem auf Tannberg, Lausche und Tollenstein.
Auf dem Weg der Schönbär(Callimorpha dominula). Im Auffliegen zeigt er uns seine prächtigen roten Hinterflügel.
An die Dixmühle, die bis 1945 am Eingang zum Khaatale stand, erinnert außer einem Nebengebäude noch der Wegweiser mit dem Pumphut. Der düstere Gesell versuchte hier die Müllerstochter in seine Machenschaften zu verstricken. Das brave Mädel widerstand ihm.
Die Pestwurz strotzt am Ufer der Kirnitzsch.
Das Datschenidyll setzt sich in Khaa fort.
Wir ersteigen den Khaatalwächter und ins Käsebachtal hinab und gleich wieder hinauf auf den oberen Karlstein, auf dem wir ein Stündlein rasten und ruhen. Inzwischen sind aus dem Tal viele Stimmen zu vernehmen. Familien sind mit Kindern und Kinderwagen unterwegs und Radfahrer.
Diese Schutthöhle wird Weinkeller genannt, weil sich in ihr zuweilen flaschenförmige Eiszapfen bilden.
Wir gehen in ein Seitental hinein bis zur Schatzkammer. Mehrere riesige Blöcke sind aneinander gestützt und bilden einen imposanten Zwischenraum.
Eine zweisprachige Inschrift mahnt: Behaupte das Deine. Gib jedem das Seine, doch Unrecht verneine.
Zu beiden Seiten des asphaltierten Talwegs erheben sich Sandsteinfelsen. Wir nehmen einen Abzweig am Hang um wenigsten für eine Weile den Betrieb auf der glatten Straße zu entgehen.
Bei Hinterdaubitz überschreiten wir mit der Kirnitzsch die Grenze.
An der Niedermühle vorbei...
...gelangen wir auf den Taubenstein. Die Heidelbeeren sind ringsum reif. Doch es stellt ein mühseliges Unterfangen dar wenigstens den Boden der geleerten Proviantbüchse damit zu bedecken. Auf dem weg nach Hinterhermsdorf kommen wir an der Waldhütte des dortigen Kindergartens vorbei.
Das schönste (Hinterherms-)Dorf Sachsens 8gekürt 2000) beeindruckt vor allem mit den virtuos gestapelten Feuerholzreihen. Dabei es gibt auch pittoreske Ecken im Dorf, wo die rechten Winkel nicht vorwalten.
Das Erbgericht hat geschlossen. Die Hoffnung, die uns ein auf der Treppe zu seinem Haus rauchender Mann stattdessen weist, macht zwar einen guten Eindruck, hier gibt es in Schmilka gebrautes Bier. Doch wenige Meter zuvor warb das Wanderstübel auf einer Kreidetafel mit Flecke, außerdem ziemt uns der Name des Etablissements. Wirklich ist es dort, etwas abseits von der Straße idyllisch und die Flecke bißfest und gut gewürzt, Bier wohlfeil in großen Flaschen und es gibt Rhabarberstreuselkuchen. Wir sitzen, plaudern, trinken und rauchen bis unser Bus kommt.
Wanderung über das Erzgebirge von Altenberg nach Graupen
3. Juni 2018
Vom Bahnhof Altenberg laufen wir zunächst entgegen unserer eigentlichen Richtung bis zu den Galgenteichen. Auf dem Zeltplatz schlafen noch alle. Die Dame vom Einlaß errät unsere Absicht und gibt zwei Hinweise, zum einen leise zu machen, damit niemand vor der Zeit erwacht und dann, wo wir die Orchideenwiese finden.
Auf dem Gelände der früheren Biathlon-Arena stellen die Unmengen an Breitblättrigem Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), das Kleine Wintergrün, große Zweiblatt, diverse Frauenmäntel, Fettkraut und andere Arten in den Schatten ihrer gesättigten Farbkraft.
Wir gehen wieder zurück zum Bahnhof und nehmen dort den Weg zum Geisingberg. Die schönen Wiesen am Nordhang mit den Trollblumen lassen wir unbegafft und nehmen den schattigen Aufstieg. Vor der Baude nehmen wir Kaffee, Bier, Oblaten und Limonaden zu uns. Ein freundliches einfaches Lokal, wie es vielerorts wünschenswert wäre.
Nach dem Abstieg durchwandern wir das wohlgepflegte Geising und kommen dabei an den ebenso adretten Häusern der zwei verewigten Maler Ewald Schönberg und Heribert Fischer vorbei. In der Eishalle Gründel-Stadion üben sich die Hockeyspieler auf Rollen.
Wir verlassen den Ort durch das Erdbachtal und gelangen bis zum Eintritt des Silberstollens. Dann wenden wir uns in Richtung Traugotthöhe dem Gebirgsübertritt zu. Dabei gehen wir über die schönsten Wiesen. Um uns duftet allenthalben der Bärwurz und das Grün wird locker geschmückt mit einem Mosaik der Farben von Glockenblumen, Schlangen-Knöterich, Fingerkraut, Hahnefuß und vielen anderen. Im Osten erblicken wir die Steinrücken bei Fürstenau.
Einmal federt der Grund von bodendeckenden Bärwurz unter den Sohlen, dann wieder birgt die Wiese an feuchten Stellen Inseln voller Wollgras. Und immer breitet sich die wellige Osterzgebirgslandschaft vor unseren Blicken.
Nach einigem Herumirren auf Wildpfaden durch Unterholz finden uns auf den Kammweg und werden im Dunst der südlichen Ferne zum ersten mal der böhmischen Berge ansichtig.
Wir treten kurz in die Wolfgang-Kapelle mit der bescheidenen Erinnerungstafel für die Gefallenen der Bergorte und wenden uns zur Labung im Gasthaus Mückentürmchen. Die Saalkellner lassen die Teller mit sachtem Schwung und leichtem Dreh vor dem erwartungsfrohen Gast auf den Tisch gleiten und ebenso elegant heben die leeren Teller aus.
Den Handlauf des Treppengeländers zur Gaststätte hat ein Flicktischler mit einer gewagten Konstruktion ertüchtigt.
Dann geht es rascher abwärts. Wir spüren im Gang eines Tages das Profil der erzgebirgischen Pultscholle, die langsam im Norden ansteigt und beinahe jäh gegen Süden hinabgeht, so wie der Peak Oil.
Die Seilbahn zwischen Mückentürmchen und Mariaschein nutzen die Velozipedisten aufwärts, um sich lustvoll zweirädrig balancierend das Gebirg hinabzustürzen.
Als bei Obergraupen der Wanderweg aus dem Wald austritt um sich mit der Straße zu vereinigen, warten wir einige Minuten auf den Autobus, der uns ein Stück talwärts mitnimmt.
Der Omnibus zieht eine Anhänger für die Fahrräder. Der öffentliche Verkehr dient inzwischen vielfach dem Vergnügen und nicht mehr werktätiger Notdurft der Überwindung eines Arbeitsweges.
Graupen liegt wie Tharandt ins Tal gebettet. An der Kirche steht eine Büste für den 1812 hier geborenen Augenheilkundler Ferdinand von Arlt.
Auf der Burgruine erinnert eine renovierte Tafel an Goethes Aufenthalt in den Jahren 1810 und 1830. Er wird wohl auch die Wolfgangkapelle besucht haben? Der dicke Turmstumpf der Graupener Burg ist unterdessen eine Ruinenruine geworden. Die äußere Schale der Steine ist heruntergebrochen und hat dabei das Geländer mit sich gerissen.
Talwärts erhebt sich in der Ebene hinter Teplitz mit dem Schloßberg der Doppelgipfel von Kletschen und Milleschauer.
Wir winden uns über die Gassen und Straßen hinab nach Mariaschein, vorbei am aufgelassenen Stadtbad von Graupen.
Wie stets haben wir Glück mit der Bahn, die wenige Minuten nach unserer Ankunft auf dem Bahnsteig einfährt.
Nur wenige Minuten fahren wir bis Teplitz, wo in einer knappen Stunde der Bus nach Dresden abfährt.
Wanderung von Rathen über Hohnstein nach Bad Schandau
20. Mai 2018
Zur Überfahrt erwischen mit der Gierseilfähre ausgerechnet eine der beiden Elbequerungen für die die Gruppenkarte des Verbunds keine Geltung besitzt, neben Rathen noch Schöna
Wir steigen von Rathen in das Felsengebiet um Türkenkopf, Honigstein, Maikopf und Lokomotive. Es ist noch kaum Betrieb.
Wir verlieren die im Bergführer beschriebenen Pfade, krauchen schluchtabwärts und hangaufwärts mit vielen guten Aussichten nach Gohrisch, Papststein, Lilienstein und Tetschener Schneeberg.
Halb geführt und halb geirrt erreichen wir die Lokomotive.
An der sich inzwischen zahlreiche Kletterer eingefunden haben.
Die Kenntnis der umliegenden Felsfornationen ist noch rudimentär. Möglicherweise blickten wir hier auf den Dachsenhälter?
Unter Felsen im Sand rasten wir eine Weile in der Sonne.
Wir steigen ab zum Knotenweg, den ein königlich-sächsisches Pionierbatallion angelegt hat und der darum auch der Pionierweg geheißen wird. Wir gelangen bis auf den Hockstein. Von wo wir nach Burg und Stadt Hohenstein hinüberblicken.
Durch die Wolfsschlucht geht es hinab ins Polenztal.
Und gleich wieder entlang des Schindergrabens hinan.
Wir erreichen die Gautschgrotte.
Die Löcher im Felsen lassen uns sinnieren über die Ursache. Kurz vor Kohlmühle klärt uns ein Schild auf über das Wirken des Urmeeres aus dem die westsudetische und die mitteleuropäische Insel herausragten. Heimat, du liebliches Atoll aus Saxothuringikum, Teplabarrandium und Moldanubikum im Ozean.
Vorbei an der Räumichtwiese und dem Sauteich gelangen wir zum Brand, wo uns ein dreistes Holzmännel erwartet.
Auf der Terrasse der Brandbaude ist viel Betrieb. Essen wird nach Nummern ausgerufen, teils mit böhmackelnd. Wir laben uns an Kaffee, Bier, Waldmeisterbrause und Buttermilch. Baden in der schmausenden Menge.
Im Anschluss schauen wir von den Hafersäcken hinab in den tiefen Grund.
Wir steigen die Brandstufen hinab und nehmen gegenüber den Ochelweg nach Kohlmühle.
Eine Fliegenbrut mästet sich an etwas, was wir unter irrem wildem Mahle nicht erkennen können.
Der Bahnhof von Goßdorf-Kohlmühle. Hier verkehrt noch ein Zug von Sebnitz nach Bad Schandau, seit einigen Jahren sogar nach Rumburk. Die Stecke wird wahlweise als Sächsische Semmeringbahn oder Brennerbahn apostrophiert, wegen der beträchtlichen Steigung auf kurzer Strecke und zahlreicher Kunstbauten, Brücken, Tunnel, Viadukte.
Der Ort wird dominiert vom Linoleumwerk Likolit. Hier wurde bis 2014 produziert. Wir laufen jeden Tag in unserer Küche über einen soliden Bodenbelag, der hier entstanden ist. Als Kulturfabrik deklariert dient der Ziegelbau jetzt nur noch als pittoreske Kulisse für Fotografen.
Wir nehmen die Straße nach Rathmannsdorf. Wo ein Dorffest zu Ende gegangen ist. Wir erhalten vom freudnlichen harten Kern der Feiergeneinschaft wohlfeil einige Falschen des erquickenden Trunkes und rasten am Rande der örtlichen Kegelbahn.
Über den gut beschilderten Dorfrand geht es zum Stufenweg hinab nach Wendisch Fähre.
Über die Brücke wechseln wir auf die andere Elbseite zum einst bedeutenden Grenzbahnhof Bahnhof Bad Schandau, der heute nur noch als Haltepunkt dient.
Wie stets haben wir Glück mit der Bahn, die wenige Minuten nach unserer Ankunft auf dem Bahnsteig einfährt.
Wanderung vom Windberg nach Weesenstein
29. April 2018
Von Freital Burgk aus besteigen wir den Windberg.
Von hier aus zeigt sich Freital noch im Gewand einer Industriestadt.
Auf der Rückseite des Albertdenkmals haben hochwichtige Sponsoren, lokale Geldwechsler und Klubisten, mit einer Schrifttafel ihr Andenken auf das Andenken des antikisch verwitterten Landesvaters gepfropft.
Das Bergmannsgrab in Kleinnaundorf erinert an die Schlagwetterexplosion von 1869, die bis auf fünf Mann allen 276 eingefahrenen Bergleuten den Tod brachte.
An den Wänden eines Gutshofs in Kleinnaundorf wird einer Gruppe von Dresdner Ballspielern gehuldigt.
Wir gehen durch den Poisenwald, vorbei am Steinernen Tisch und biegen in den Querweg nach Börnchen.
In der Käseschenke auf dem Lerchenberg nehmen wir einen Imbiss, Stangenkäse aus Karsdorf mit und ohne Musik. Der Mann an unserem Tisch staunt mächtig darüber, daß wir heute noch bis Weesenstein kommen wollen.
Über Karsdorf geht es zur Quohrener Kipse und dann weiter über Hermsdorf, wo wir eine kurze Siesta auf den Bänken an der Straße halten, zum Willisch. Vielmals mangelt es an Straßenbäumen und wir sind der Hitze ausgeliefert.
An der Willischbaude wurde vor wenigen Jahren noch gebaut. Immer noch steht sie leer und der Gipfel ist verwaist.
Die Nagelsche Säule wurde mit einer Inschrift zum Gedenkstein für die Gefallenen des ersten Weltkrieg umgewidmet. Heute ist sie von Geschossen zerklüftet und steht schief.
Wir an den Hängen des Lockwitztals entlang und steigen in einen Ort ab, dessen namen wir erfragen. Es ist Lunkwitz und gleich gegenüber am anderen Hangrand führt der Weg nach Maxen.
Dort bekunden die Einwohner mit verschiedensten Auf- und Inschriften ihre philosophische Gelassenheit.
Wir trinken ein Bier im Gasthof und konditern im Kunsthof. Schöne Gartenmöbel, saubere gestickte Tischdecken, feines Porzellan, exquisiter Kuchen und freundliche Bedienung. Nein, es handelt sich nicht um eine Sekte. Es ist nur eine gute Normalität.
Maxen macht den Eindruck eines gesunden Dorfes. Kirche und Gutshaus sind, wie viele Wohnhäuser, in bestem Zustand. Der Ort besitzt sogar ein eigenes (Freiluft)theater.
An der Straße ist der massive Kalkofen zurückgeblieben.
Schmorsdorf hat in der Dorfmitte unweit der alten und gesunden Linde ein kleines Museum für die Aufenthalte von Robert Schumann und Clara Wieck. Gutsbesitzer Serre in Maxen war der Gastgeber. Es behagte hier.
Während um den Lerchenberg und die anderen Erhebungen der Wendiscarsdorer Verwerfung unzählige Lerchen wieder vernehmbar sind, können sie freilich über der toten Rapswüste an der Straße nach Crotta nicht erwartet werden
Reizvoll schlängelt sich der Weg hinab ins Müglitztal.
Nach manchen Sudelbad in Schlammpfützen reinigt sich Rudi nun gründlich in der Müglitz und posiert dabei pferdemäßig vor dem Schloß, wie von Rayski gemalt...
Wir durchstreifen den abendlichen Park und langen planlos kurz vor der Einfahrt des Zuges nach Heidenau am Haltepunkt Weesenstein an.
Wanderung durchs Seifersdorfer Tal
15. April 2018
Wir fahren über Klotzsche bis Liegau-Augustusbad und betreten an der Grundmühle das Seifersdorfer Tal.
Um die frühe Stunde bleiben wir die meiste Zeit zwischen den Denkmalen und Sprüchen entlang der großen Röder für uns.
Wir erblicken Lauras Denkmal vor der Laurawiese.
Eine andere Inschrift auf einem Stein ist „Den freundlichen Pflegern des Tales“ gewidmet.
Was wir alles zur letzten Wanderung nicht fanden, das findet sich nun hier, z. B. Aufrechte Schuppenwurz (Lathraea squamaria)
Über Grünberg gehen wir zum Hermsdorfer Park, wo eine Überraschung unserer harrt.
Eindrucksvoll ist die Anlage von Schloss und Park. Einige Elemente, der Kanal und die dicken Ecktürme gemahnen an die Schlösser von Gebelzig und Moritzburg.
Im inneren Schlossbezirk eröffnet sich uns eine gespenstige Szenerie. Alle Menschen, die dort wandeln, starren auf kleine Geräte und murmeln sich gegenseitig etwas zu, Zahlen und Verbesserungswünsche… Wir wünschen auch gute Besserung.
Im Gasthof Hermsdorf rasten wir und die Gruppe teilt sich. Die eiligen Drei streben nach Weixdor der Straßenbahn zu. Wir zwei Verbliebenen laufen weiter nach Medingen und kommen gerade recht zur Ausstellungeröffnung in der Galerie Refugium mit den Gemälden von Almut Sophia Zielonka.
Danach laufen wir weiter über den Mühlweg in Richtung Bärnsdorf.
Zuvor müssen wir die Autobahn überqueren, die hier beim Verbinden der Orte zugleich den schönen Zusammenhang der Landschaft vor Ort zertrennt.
In Bärwalde ist der Gasthof geschlossen und der Bus kommt erst in einer Stunde. Also beschließen wir weiter zu laufen. Über einen der Hügel gehend brechen wir durch eine bittersüß duftende Schlehenhecke bei Volkersdorf.
Am Ufer des Teiches erblicken wir die Rupfung eines Stockentenerpels.
Im gepflegten Gasthof von Boxdorf nehmen wir noch ein kühles Blondes und laufen hinab zur Baumwiese.
Einmal in Bewegung gelangt, laufen wir weiter bis zum Eingang des Heidefriedhofs, wo wir uns trennen. Der eine fährt mit dem Bus nach Dresden weiter und der andere geht durch die Junge Heide nach Hause nach Radebeul Ost.
Wanderung durchs Saubachtal
31. März 2018
Diesmal durchwandern wir das gesamte Blatt 30 – Wilsdruff der topografischen Wanderkarte von Sachsen.
Wir nehmen kurz nach acht den Bus ab Hauptbahnhof nach Hetzdorf und laufen hinter dem Abzweig nach Helbigsdorf ein Stück auf dem alten Kleinbahndamm bis zum Eintritt in das Triebischtal.
An der Kirstenmühle vorbei bis zur Krillemühle stehen nur einige Schneeglöckchen einsam da. Erst am Blankensteiner Burgberg entdecken wir zwischen dem welken Laub die Leberblümchen.
Auf der Kanzel von Blankenstein machen wir die erste Rast.
Ein ganzes Stück geht es über asphaltierte Straßen vorbei am Blankensteiner Reifenfrosch nach Limbach.
Das große Rittergut Limbach liegt ruhig. Nur ein getarnter Mann und eine getigerte Katze schauen den drei Wandergesellen hinterdrein.
An der Birkenhainer Mühle laufen wir unter der Autobahn hindurch, die hier die landschaftlichen Zusammenhänge durchschneidet.
Gegen Mittag regnet es ein Weilchen passend zur unfreundlichen Wegstrecke entlang der Autobahn. Auf der gegenüberliegenden Seite steht der Mast des Wilsdruffer Störsenders, der uns weiland den Empfang des Deutschlandfunks verbitterte.
Wir laufen durch die Traktorspuren in Richtung der Silberstraße, die allerdings nur als Wasserröhre die Autobahn kreuzt.
Sie führt auf das Wilsdruffer Gewerbegebiet zu, daß in der Karte von 1993 noch nicht berücksichtigt ist.
Um Klipphausen stehen viele seit damals entstandene Wohnhäuser. Am Schloß Klipphausen vorbei gelangen wir in das Saubachtal.
Die Zimmermannsmühle erzeugt heute etwas elektrischen Strom.
Durch die Schloßmühle läuft kein Wasser mehr. Der Mühlteich liegt leer.
Die geschätzte Aussflugsgaststätte in der Neudeckmühle ist geöffnet. Wir kehren ein und speisen dort behaglich. Drei große Gesellschaften mit vielen Kindern füllen die Gaststube. Wir setzen uns an eine der Tafeln dazu.
Das Saubachtal wird seinem Namen gerecht. Denn der Frühling ist im Verzug. Er ist´s nicht und läßt kein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte. Flatter tut überhaupt nichts. Es ist weder windig noch regnerisch.
Dafür liegen die Wiesen so verzweifelt wintergrau unter dem trüben Himmel, das Schnee dagegen ein Labsal für die Augen wäre.
Die reizvollste Frühlingswanderung durch Scharbockskraut, Buschwindröschen, Lerchensporn und vorbei am wunderlichen Schuppenwurz sieht unter diesen Umständen wie eine Baustellenbesichtigung aus. Den Goldstern und die Leberblümchen an der Einmündung des Prinzbachtals suchen wir gleichfalls vergeblich.
Nach vier Uhr nachmittags besteigen wir die Kötitzer Fähre und laufen zur S-Bahn. Damit geht die bisher glanzloseste Wanderung zu Ende. Gesehen und erlebt haben wir dennoch Einiges. Wer draußen unterwegs ist, gleich bei welchem Wetter, der kommt nie unbeschenkt nach Hause. Der Dauerregen blieb immerhin aus, der Frühling aber wird kommen.
Wanderung über den Huthübel zur Märzenbecherblüte im Petschwitzer Holz
18. März 2018
Der Regionalexpress in Richtung Leipzig ist schon voller um-und fehlgeleiteter Reisender. Während viele von ihnen in Riesa sitzen bleiben mußten, holt uns ein gut gelaunter Taxifahrer ab, der die Buslinie nach Lommatzsch bedient.
Ob er allerdings bis Staucha durchkommen wird, hält er für ungewiß. Und tatsächlich ist die Straße auf dem letzten Stück nicht freigeschoben. Wir steigen aus und laufen im eisigen Wind aber auch Sonnenschein in den Ort.
Staucha hat ein großes Rittergut. Im Schloß ist die Gemeindeverwaltung und in einer der Scheunen behütet ein Schauspieler und Regisseur Überschüsse der Buchproduktion aus Verlagen der weiland DDR.
Der Wind und die Räumungen haben zu beachtlichen Wällen aus dem Schnee geführt.
Am Ortsausgang wird uns ein Kraftwagen hügelan entgegengezogen und geschoben von einer fröhlichen Bergegemeinschaft aus Kindern, Frauen und Erwachsen
Der Wind vermengte den fruchtbaren Löß der Lommatzscher Pflege mit dem Pulverschnee. Das ergibt im Zusammenklang mit der sprießenden Wintersaat reizvolle Färbungen der Landschaft.
Durch Umgehen der Abfallhalde erreichen wir den Huthübel mit dem Monolithen. Ein mächtiger Holzhaufen der wohl in zwei Wochen als ein Osterfeuer lodern soll, ist vom Schnee bestäubt.
Vor tausendundneunzig Jahren soll der Legende nach von diesem Hügel aus König Heinrich die Belagerung der Slawenfeste Gana geleitet haben. Als Denkmal der Überwindung gedeutet, könnte der heidnische Ort über die Jahrhunderte seinen Charakter bewahrt haben.
Wir laufen quer über das Feld nach Marschütz und brauchen wegen des Gegenwindes die doppelte Zeit, als wenn wir den weiteren Weg gegangen wären. Das Landschaftserlebnis zwischen den ruhenden Weilern und Hügeln lohnt jede Mühe. Über Wuhnitz geht es weiter nach Poititz und Neckanitz. Der Senke von Poititz gärt eine Schweinemastanlage vor sich hin. Angenehmer war der leicht bitter-faulige Geruch des feuchten Löß …
Wieder schutzlos über das Feld laufen wir hinab in das Petschwitzer Holz
Das Auge muß zwischen weiß und weiß erst die Form ausmachen, dann aber erkennen wir überall die voll erblühten Märzenbecher, die sogleich vom Schnee bedrängt wurden.
Die terminliche Schätzung erweist sich also zutreffend. Nur die Präsentation ist nicht günstig.
Am Austritt aus dem Petschwitzer Holz begegnen wir zwei gewaltigen Eichen.
In Jessen führt uns der Weg an einem Fashion-Outlet vorüber, natürlich casual.
Mit heißem Tee und Glühwein verweilen wir etwas zu lange am Eingang in die Jessener Hohle und laufen durchgefroren in Lommatzsch ein. Wo die örtliche Industrie das Thema des Tages variiert.
Wir langen so pünktlich zu Busabfahrtszeit in der Stadt an, daß wir deren Besonderheiten nur im Vorübergehen wahrnehmen können.
Der dreispitzige Turm der Wenzelskirche ist dem Pilger zwischen den Äckern der Pflege wie ein fernes Jerusalem sichtbar ist. Vor ihrem Eingang grüßt links, grün versifft das kupferne Haupt des in Lommatzsch gebürtigen Komponisten Robert Volkmann.
Zur Ruhe gekommen spüren wir im Bus nach Meißen in den Gliedern mit welchen Beharrungskräften wir dem schneidenden Wind entgegenstemmten.
Wanderung zur Baustelle Niederpöbel
4. März 2018
Schönster Sonnenschein begleitete uns auf der Wanderung mit dem bisher meisten Schnee.
Zu fünft entstiegen wir oberhalb der Talsperre Lehnmühle dem Bus nach Frauenstein. Der gefrorene Fichtenkreuzschnabel in der Leitplanke hätte wohl noch ein eindrucksvolles Präparat ergeben.
Wir schlagen den kürzesten Weg nach Ammelsdorf ein.
Ammelsdorf liegt still, um nicht zu sagen tot.
Das es einmal ganz anders war, davon zeugt das stattliche Schulgebäude mit Turm.
Im gerühmten Eschenhof war ohne Bestellung kein Bewirtung zu erhalten. Man speist offenbar Sonntags nicht mehr daheim. Da die Hausfrau also nicht mehr die Speisen zubereitet, werden die wenigen Wanderer in den Wirtschaften abgewiesen. Das regte nur unseren Wettkampfgeist an und kurz entschlossen gehen wir über den Acker nach Schönfeld.
Auch im Hotel am Rennberg brummte es. Wir dürften jedoch Platz nehmen und es werden dann doch recht bald kleine Gerichte durch die freundliche Aufwartung ausgehändigt. Ein weites Panoramafenster ist gegen das Gebirge gekehrt.
Wir steigen hinab ins Pöbelbachtal, wo mit dem Waldschulheim in der Walsmühle das obere Ende des neuen Rückhaltebeckens markiert ist. Ablagerungen und Ausgrabungen am Hang kennzeichnen die Baustelle.
Links im Bild ist der spätere Überlauf zu sehen und zentral über der Staumauer erhebt sich die Führung für eine Sperrwand der Durchlässe von Straße und Bach. Ein gigantisches Unternehmen von dem wir nach Eröffnung wohl noch per Landesrechnungshof etwas zu hören bekommen werden.
Der durchlaufen den Durchlass der Straße in der Staumauer.
Um Sadisdorf finden gegenwärtig Rohstofferkundung nach Lithium statt. Diese Gegend ist seit Jahrhunderten von alten Stollen durchlöchert und entsprechende Warnungen künden von den Bäumen.
Wir durchqueren Niederpöbel.
Wir steigen hinauf zum Hirschturm oberhalb Naundorf. Der Turm wurde in den frühen neunziger Jahren im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme erneuert. Nach dem Aufstieg und Ausblick lassen wir uns zu Kaffee und Tee aus der Thermoskanne nieder an dem sonnigen Rastplatz neben dem Turm.
Ein Spaziergänger aus dem Ort ist mit seinem erwachsenen Sohn unterwegs. Er gibt uns Auskunft über die Halde. Sie besteht aus dem verbrauchten Formsand des Schmiedeberger VEB Gießerei und Maschinenbau "Ferdinand Kuhnert". Auch weist er uns auf Einbrüche alter Bergwerksanlagen auf dem Feld hin. Ein paar Schritte weiter befindet sich ein alter Kalkofen, der zur Aussichtskanzel umgestaltet wurde.
In Naundorf betätigt sich ein regsamer Heimatverein. Durch den hinteren noch verwilderten Teil des alten Schloßparks führt inzwischen eine Schneise zum Aussichtspunkt Otto´s Eck.
Im Park treffen wir nacheinander auf zwei Familien mit mehreren Kindern und ein Paar in Erwartung. Der Mann trägt eine Jacke von „Sachsen Küchen“. Schmiedeberg ist noch nicht völlig deindustrialisiert und ein reeller Arbeitslohn kann manche Familie nähren. Im Tal nehmen wir den Bus nach Dresden.
Wanderung über die Hohen Brücken zur Schönen Höhe
18. Februar 2018
Die Verheißung des Sonnenscheins wurde auf Montag vertagt. Wir laufen im Trüben und begegnen doch manch Erhellendem auf unserem Weg. Am Bahnhof Strehlen stiegen wir zu fünft in den Bus nach Bonnewitz und dann den Grund hinauf auf den Weg mit den Hohen Brücken stoßend.
Die Hohen Brücken sind römisch numeriert und tragen das sächsische Wappen. Unter der Oberleitung von Graf Marcolini wurden die luxuriösen Brücken errichtet. Von 1982-86 wurden sie restauriert. Eine feierliche Stimmung ergreift einen noch heute, wenn man so erhaben über die kleinen Täler hinschreitet.
Wir gelangen auf das offenen Feld und sehen unter uns die Baustelle der Ostumfahrung von Dresden liegen, dahinter die Berge der sächsischen und böhmischen Schweiz. Am Kriegerdenkmal auf dem Doberberg wird eine Rast eingelegt. Der heroische Spruch mußte in jüngerer Zeit beflissen korrigiert werden um eine öde Wahrheit, die weder Trost noch Erkenntnis bringt.
Wir laufen durch Wünschendorf auf schmalen Wiesenpfaden bergab und bergan und erreichen schließlich die Schöne Höhe.
Die Gaststätte befindet sich in der Winterruhe. Die Turmbesteigung ist nicht möglich, bei der gegenwärtigen Wetterlage wohl auch wenig eindrucksvoll. Die Fresken zu Goethes Balladen vom Nazarener Peschel sind immerhin durch die Fenster zu erspähen.
Wir steigen zunächst hinab ins Lieblingstal, das vor gut zehn Jahren mit Nachbildungen jener denbkmale versehen wurde, die der umtriebige Dittersbacher Patron Johann Gottlob von Quandt dort einst errichten ließ. Ein Obelisk erinnert an die Sächsische Verfassung von 1831 und eine Büste von Ernst Rietschel zeigt den König Anton.
In Dittersbach sehen wir das Schloß. In der Kirche befindet sich eine Orgel von Gottfried Silbermann.
Die Diana von Versailles in Lauchhammer in Eisen gegossen wurde inzwischen durch einem kräftigen Baum vom Postament gefegt.
Inzwischen stehen einige weitere und neu-alte Skulpturen im Park.
Die Weesnitz führt reichlich Wasser.
Zwischen Schloßpark und Elbersdorfer Mühle ist der Hangseite die lange Wand eines Steinbruches eingeschnitten.
In Elbersdorf weilte nicht nur Fichte. Es wird sogar heute noch darauf hingewiesen.
Am Bahnhof mit den drei auffeinanderfolgenden R erwarten wir den Zug nach Pirna.
Wanderung zu Burgstädtler Linde und Babisnauer Pappel
11. Februar 2018
Bei schönstem Sonnenschein begeben wir uns gegen 9 Uhr auf den Weg. Die schöne Kulisse der Stadt, die in jenen Februartagen vor 73 Jahren für ein letztes Mal so friedvoll dalag, grüßt zum Fenster herein. Ungeachtet ihrer politischen Bewirtschaftung ist diese Zeit für die Dresdner von besonderer Bedeutung und die Fahrt ins reizvolle Umland ist immer auch ein Gang an die Quellen, aus denen nach dem Untergang wieder Kraft und Freude geschöpft wurde. Dresden lebt von seiner landschaftlichen Einbettung. Ein wichtiges Motiv der Wanderungen ist es, diese Synthese von Natur, Kultur und Geschichte, wie sie der alte Heimatschutzgedanke umfaßte, wieder zum lebendigen Begängnis werden zu lassen.
Seit einigen Jahren ist das Lockwitztal von der Autobahn überbrückt. Häßlich sieht es eigentlich nicht aus. Wir waren letztlich erstaunt, daß die neuen Verkehrswege zumindest auf dieser Wanderung unsere Bahnen wenig gestört haben.
Wir gehen das Borthener Gründel hinauf und zum Schloss. Der Park und das Schloßgelände zeigten sich verschlossen.
Auch der Pavillon, in dem Gerhard Schiffel malte, war nur aus dem entfernten Rückblick über die Mauern zu schauen.
Auf dem Weg nach Burgstädtel stehen Pferde auf gefrorenen und schneebedecktem Acker.
Mit der Burgstädtler Linde haben wir eine der schönsten Stellen dieser Wanderung schon erreicht.
Der Blick über das Lockwitztal zwar etwas verhangen aber nicht minder reizvoll durch die Schneereste in der Ferne und durch die Möglichkeit des Durchblicks durch die unbelaubten Bäume.
An diesem herrlichen Platz halten wir ein Picknick ab mit Kaffee und frisch gebackenen Schusterjungen.
Hinab in den Grund und dann wieder hinauf nach Bärenklause gehen wir an dem Gut vorbei durch den Park.
Wie von Erich Fraaß gemalt oder von Wilhelm Rudolph ins Holz geschnitten steht dieses Pferd da.
Beim Ort Babisnau wird uns ein weiter Blick in das Dresdner Elbtal zuteil.
Die Babisnauer Pappel hat sich gut erholt und macht wieder einen mächtigen Eindruck.
Jeder fleißige Kerl braucht ihre Flasche Bier in diesem Sinne lautet die Aufschrift auf einer Erholungsbank.
Etwas unwegsam finden wir uns hinab in den Gebergrund.
Glücklich ist der sanfte Abstieg in den Gebergrund gelungen. Hier hat wohl der Großvater eines unserer heutigen Wanderfreunde als Student der mit seinem Professor Carl Bantzer die Frühlingslandschaft um Dresden gemalt.
Die Pionierabteilung hat unterdessen eine Brücke improvisiert.
Eine Schutzhütte wurde von einem stürzenden Baum regelrecht zusammengefaltet.
Auf der goldenen Höhe rasten wir noch einmal kurz und betrachten die gelungene Architektur der Nagelschen Triangulationssäule, für die im übrigen der Landesverein Sächsischer Heimatschutz ebenso sorgt, wie für die
Babisnauer Pappel.
Wir erreichen den Schloßpark Nöthnitz. Hier haben die Stürme der letzten Monate ebenfalls mächtig gewütet.
Ein metallener Drache wurde unter einem Baum begraben. Wirkungsvolle hätte er nicht drapiert werden können.
Im Schloss Nöthnitz wirkte Johann Joachim Winckelmann als Bibliothekar. Einen starken Eindruck empfing der von den Skulpturen der Herkulanerinnen, die der sächsische Kurfürt vom Prinzen Eugen erworben hatte. Sie waren damals in einem der Kavaliershäuser im Großen Garten aufgestellt. Als der große Forscher in Rom dann die Gunst des Kardinals genoss, da hatte er schon den Maßstab für die Schönheit im Wandertornister aus Dresden mitgebracht.
Gegen 15:30 besteigen wir einen überfüllten Bus in Richtung Hauptbahnhof, der aus dem Gebirge kommt.
Wanderung durch den Rabenauer Grund
21. Januar 2018
So viele waren wir noch nie. Auf der Räcknitzhöhe steigt der 21. Teilnehmer zu. Am Rundteil in Possendorf geht es los.
Wir laufen in Richtung Börnchen und biegen vor dem Ortseingang ab zum Lerchenberg hinauf und wieder hinab nach Oelsa. Dort überrascht uns am Dorfplatz eine Pyramide auf der die fleißigen Handwerker des Ortes paradieren.
Da ist doch der Klempnermeister Dietmar Eger und gewiss hat hier auch Anett Wirthgen, die Tochter und Nachfolgerin des verstorbenen Holzbildhauers Wilfried Fischer mitgewirkt, der uns Zugezogene vor zwanzig Jahren eingeladen hat im Gesangsverein mitzuwirken...
Vorbei an der verrottenden Möbelfabrik von weiland Anton Künstner gehen wir über Schleichpfade am Haus der Frau Passdennskleehdel hinauf zum Götzenbüschschen.
Ein Wanderfreund erklärt uns die Besonderheit dieses Aufschlusses von kreidezeitlichen Sandsteinen auf dem Freiberger Gneis.
In Richtung Seifersdorf und Spechtritz, wo sich vor zwanzig Jahren abwechslungsreiches Grünland erstreckte, liegt heute ein monotones Rapsfeld.
Wir umgehen das Felsenriff und treffen dabei noch auf ein schön augeprägtes Vorkommen von Borstgras (Nardus stricta) sowie Geweihflechte (Cladonia spec.). Später werden dann wir im Rabenauer grund an den Felsen an vielen Stellen den braunstieligen Streifenfarn (Asplenium trichomanes) sehen.
Am Freigute Oelsa vorbei geht es hinab in den Grund. Die große Anlage verrottet weiter. Aber es scheint jemand unterdessen zugange zu sein.
Im Rabenauer Grund umgeben uns die frischen Sturmschäden von Friederike.
Schon am Felsen hat ein gelinder Flockenwirbel eingesetzt. Zudem ist es frisch, wenn auch nicht bitterkalt. So laufen wir rasch über Brücken und Stege durch den Grund hinab nach Cossmannsdorf.
Das Gasthaus Rabenauer Mühle lockt uns nicht. Zudem sind wir militärisch betrachtet schon kein Trupp mehr und haben bereits Mannschaftsstärke eines militärischen Zuges. Da käme das Betreten eines Restaurant einer Requirierung nahe.
Bevor wir den Grund verlassen dampft uns noch eine Kleinbahn entgegen in Richtung Gebirge.
Die drei jungen Mädchen stimmen Lieder an.
Nur wenige Minuten bleiben uns und die von Tharandt kommende S-Bahn nimmt uns von Hainsberg-West wieder mit zurück zum Dresdner Hauptbahnhof.
Neujahrswanderung zu den Oltersteinen
2018
Zu sechst gehen wir auf der Forststraße waldwärts und ziehen eine Schleife durch den städtischen Heidefriedhof. Hier kann sich jeder nach seiner Fasson glücklich in Erde auflösen, in dem regelmäßigen Park um die Buddha-Statue, am Stamm eines Baumes der jungen Heide oder das Haupt zum schwarzen Stein gerichtet. Wir verweilen an den Ruhestätten der alten Sozialisten Buchwitz, Gruner, Renner und Zimmering. Gegenüber des Haupteingangs biegen wir in den Boxdorfer Weg ein.
Ein Vizeweltmeister im Orientierungslauf zeigt uns auf der Geländekarte wie jeder Schrotthaufen und jede Brombeerhecke aufgenommen wurden. Wir passieren den beliebten steilen Rodelhang, wo einstens die Dresdner Sprungschanze stand. Die zumeist schneefreien Winter lassen das Rodeln an diesem Ort nahezu gleich historisch erscheinen wie das Skispringen. Erst wenn alle Häuser in Kunststoff verpackt sind kann das Ururenkel von seinen beiden Muttis im Elektroauto zum Rodeln gefahren werden. Natürlich mit Helmpflicht.
Am alten Flakbunker lassen wir den Blick über Autobahn stadtwärts schweifen. Auf sandigen Wegen entlang den gelben Ständern der Gasleitung durch den Wald zum Olterteich und den Oltersteinen.
Die Zella des Altarsteines ist von den Kinderhänden wiedererrichtet worden. Zu erkennen sind die Opfergaben auf dem Vorsprung des Gesteins...
Durch die Zersiedlung des Wilschdorfer Dorfbildes gelangen wir zu Glasewalds Ruh, vormals Genesungsheim des XII. (1. Kgl. Ss.) Armeekorps. Nach 1990 vergebens strebendes Viersternehotel und heute im Umbau zu einer Wohnanlage begriffen. Die allgemeine Betäubung eines Neujahrsmorgen eignet sich hervorragend zur unbehelligten Besichtigung solcher Areale.
Bald danach teilt sich die Gruppe. Die eine Trinität geht stracks zum Ausflugslokal „Waldesruhe“, die andere zum „Waldhof“. In letzterem residierte die musische Fabrikantentochter Thea Sternheim von 1922-24.
Heute beinhaltet es ebenfalls eine fortschreitend zugebaute Wohnanlage. Nur kurz finden wir uns am Tisch des Restaurant zusammen. Die beiden forscheren Geher laufen voraus. Die anderen Vier nehmen noch einen Imbiß. Später erfahren wir, daß wir gleichwohl die nämlichen Orte auf dem restlichen Wegstück besichtigten.
Ein Bächlein kommt von Boxdorf hinabgeeilt um in der Sandschicht der Heide zu verrinnen, bevor es die Elbe erreicht. Seit einigen Jahren hat sich die Erosion des Waldbodens jenseits der Baumwiese zu gigantischen Ausmaßen gesteigert. Der weit übermannstiefe Einschnitt endet mit einem breiten Schwemmkegel lange vor der Stelle, wo wir in Kindertagen noch einen rinndendes Wasser im Sommer stauten und im Winter mit dem Rodel überquerten.
Am dubiosen Telefonbunker vorbei, wo vor 1989 deutsche Schäferhunde zwischen Drahtzäunen die heiße Leitung nach Moskau bewachten, gehen wir durch Kleingartenanlage „Am Waldrand“ zurück zur Haltestelle Forststraße.
Wanderung von Leckwitz nach Riesa
2. Dezember 2017
Wir nehmen die S-Bahn in Richtung, die 8:30 Uhr Dresden Hauptbahnhof verläßt und nehmen in Meißen in den Omnibus nach Nünchritz. Am Leckwitzer Teich steigen wir aus. Ein stilvolles neoromanisches Kriegerdenkmal erinnert dort an die Gefallenen von 14/18.
Unser Gruppenältester ist seit je unduldsam gegen jede Privatisierung öffentlicher Wege. Anknüpfend an den Leckwitzer Fährweg bahnt er uns scheulos den Weg zur Elbe hinab.
Wir laufen ein gutes Stück entgegen der beabsichtigten Richtung um uns einige sehenswerte Orte nicht entgehen zu lassen. In Richtung Merschwitz elbaufwärts laufen wir über die mühselige Arbeitsstätte der Bomätscher, der Elbtreidler. Neben der Schrifttafel buhlt eine bunte Katze mit Kaminkletterei um die Aufmerksamkeit der vier Wanderer. Bunte Katzen haben stets zwei X-Chromsomen sind also weiblich, in unserem Falle auch kokett.
Sodann begegnen wir dem früheren Liegeort einer Schiffsmühle. Wie an der Kötzschenbrodaer Have schließt sich ein kleiner Hügel die danebenliegende Schiffsmühlenweiche und wie dort so dient er auch hier als Ausguck und Rastplatz. Linkselbisch flußabwärts zeichnet sich markant das Schloß Neuhirschstein ab.
In Merschwitz teilte einst ein großes Sägewerk die Stämme welche über die Elbe von Böhmen her geflößt wurden. Der rekonstruierte Turmdrehkran ist einzig davon geblieben.
Nun wechseln wir wieder die Richtung und wenden uns zurück nach Leckwitz, immer wieder gelangen wir an Neubauten wohlhabender Nünchritzer Chemiewerker vorbei.
Unterhalb der Leckwitzer Schanze kommen wir mit zwei Anwohnern ins Gespräch, die sich vom Dauerlärm des neuen Werksteils von Wacker belästigt fühlen. Erst am Vortag ist eine Reihe Buchen gepflanzt worden um diesen Mißstand wenigstens etwas zu kaschieren.
Wir ersteigen den slawischen Wall und bekommen von oben einen beeindruckenden Blick flußabwärts. In vieler Hinsicht ähnelt diese kleine künstliche Hochfläche der Coschützer Heidenschanze.
An Nünchritz vorbei gehend erreichen wir Grödel, wo sich die Wüstungserkundung früherer Herrensitze der letzten beiden Wanderungen fortsetzt. Das Schloss wurde 1948 gesprengt. Während des Zeithainer Lagers von 1730 bezog hier der Markgraf von Ansbach Quartier. Die Wirtschaftsgebäude sind unterdessen vollständig ruinös. Besonders pittoresk wirkt in diesem Zustand das Malz, Darr- und Brauhaus von 1750. Unter dem Gutspark befinden sich weitläufige Kelleranlagen, so berichtet uns ein Einheimischer. Dem Gelände des Parks sollen planmäßiger Rekonstruktion unterworfen werden. Bislang deuten außer der Tafel mit dem Plan nur einige Plexiglasschilder in Edelstahlrahmen im Park darauf, die subtile Bezeichnungen enthalten, wie beispielsweise „Gemeine Kiefer (Pinus sylvestris“.
Hinter Grödel führt der Elsterwerda-Grödel-Floßkanal auf die Elbe zu. Der Abschluss wird von einer sandsteinenen Brücke aus der Entstehungszeit des Grabens (ca 1740) überwölbt. Um einen Rückstau bei Hochwasser und Leerlaufen bei Niedrigwasser zu vermeiden endet der Kanal kurz vor der Elbe. Die Holzstämme wurden auf Kähnen aus den Wäldern der Niederlausitz gebracht und dann zur Weiterbeförderung auf dem Strom zu Flößen verbunden.
Wir laufen längs der Elbe am Dorf Moritz entlang und weiter auf dem Damm. Dort wo das Hochwasser von 2002 einer in den 90er Jahren unsinnigerweise im Flutungsgebiet errichtete Siedlung Röderau-Süd von 80 Häusern zustrebte befindet sich heute ein riesiger gemauerter Überlauf. Vierhundert Einwohner wurden mit Fluthilfemitteln umgesiedelt. Nun ist dort wieder eine Wiese. Ende September 1813 lagerte die Avantgarde des preußischen von Blücherschen Corps unter seinem Befehlshaber an dieser Stelle. Einige Ortschaften wurden von Plünderungen heimgesucht. In der Nähe, zwischen Streumen und Lichtensee ereignete sich ein Gefecht zwischen Russen und Franzosen.
Hinter der Mauer erweist sich die Flußseite des Schlosses Promnitz ungewöhnlich festlich durch die in Andeutungen korinthischer Kapitelle auslaufenden Lisenen. Heute am 1. Advent veranstaltet der Verein hinter diesen Mauern einen bescheidenen Weihnachtsmarkt. Die Ziegen grasen vor dem Schlossbezirk. Wie eine Befestigung des Verfalls und der Verlassenheit scheidet sich der Schloßbezirk vom häßlichen Komfort seiner Umgebung ab. Der barocke Ziergiebel des östlichen Seitenflügels ist jüngst dem Sturm Herwarth zum Opfer gefallen. Auf dem Wege konnten wir am Ufer zudem mehrere heftige Baumschäden erkennen. Bislang läßt nichts auf die verheißene adventliche Feier schließen. Über einen Umweg erreichen wir schließlich den Zugang.
Im Hof wird uns sogleich bereitwillig eine außerplanmäßige Führung durch das Schloss zuteil, mit vielen Hinweisen zur Erhaltung und Rekonstruktion des künstlerisch und kulturgeschichtlich einzigartigen Bauwerkes. Auf Anweisung des Grafen Brühl und wohl auch mit Zuschüssen des Hofes hat Friedrich Albrecht von Wolfersdorff 1728 den Mittelbau des Schlosses auf jene repräsentative Höhe bringen lassen, die ihn dann als Quartier für das Lustlager von Zeithain in Betracht kommen ließ. Einige Räume wurden von den Vereinsmitgliedern zu beschaulichem Rückzug ausgestattet. Dergleichen freundliche Aneignung ist aus den achtziger Jahren von den linkselbischen Schlössern in Batzdorf und Scharfenberg erinnerlich. Mit dem Schloss Promnitz ist der letzte öffentliche Auftritt des preußischen Kronprinzen vor dem gescheiterten Fluchtversuch mit Hermann von Katte verbunden, zu dem auch der Chevalier de Saxe seine helfende Hand geboten haben soll. Von Tribünen die zwischen Moritz und Grödel am Elbufer errichtet waren konnte das Feuerwerk besichtigt werden, welches auf dem Strome von den zahlreichen Schaluppen angebrannt wurde.
Im gegenüberliegenden langgestreckten Stall wird ausgeschenkt, Basteleien und Trödelkram feil geboten. Wir laben uns an einem der Tische mit Wurst, Tee, Stollen, frischen Waffeln und Kaffee. Zuvor hatte uns noch ein skurriler Steinbildhauer mit soviel Begeisterung nahegelegt, den Stall seiner dorischen Säulen (und böhmischen Kappen) wegen als das Refektorium eines romanischen Klosters anzusehen, daß man sich für die Banalität der unstrittigen Tatsachenlage eines Stallgebäudes aus dem 19. Jahrhundert schämen möchte. Diese Mischung aus harmloser Verstiegenheit, sympathischer Tüchtigkeit und unbeirrter Zuständigkeit ist wohl das Beste, was dem Anwesen gegenwärtig geschehen kann. Eine Frau von Wolfersdorff liest lokale Sagen und ein Herr von Promnitz spielt Klavier.
Denn die Zeit der rauschenden Feste und strahlenden Illuminationen ist für Promnitz spätestens seit dem Siebenjährigen Krieg vorbei. Jener Kronprinz der auf dem Höhepunkt des höfischen sächsischen Glanzes hier weilte hat diesem mit seiner Kriegs- und Staatskunst 26 Jahre darauf ein Ende bereitet. Doch dieses vorläufige Ende war im Vergleich zu den Jahren 1918, 1945 und 1989 für Schloss Promnitz nur eine Wende zu einem neuen Anfang. Heute sieht es anders aus und die Ziegen grasen um die Ruinen.
Draußen dunkelt es bereits. Abermals auf einem Umweg erreichen wir die Fähre. Dabei entdecken wir auch unter einer rot leuchtenden Girlande den offiziellen Eingang zum Promnitzer Adventsmarkt, den uns das Interesse für die Schlossfassade hatte übersehen lassen. Der einst von Fähren, Fischern und Flößen wimmelnde Fluß liegt heute die meiste Zeit ruhig vor unseren Augen. Während wir übersetzen zieht dann das einzige Schiff des Tages, die 1979 in Melnik gebaute „Silja“, an uns vorüber. Wir irren noch ein wenig durchs finstere Riesa um schließlich über eine Fußgängerbrücke gerade rechtzeitig den Bahnhof zu erreichen um den Zug nach Dresden zu besteigen. Ein wohlwollender Kondukteur entpuppt sich als früherer Hausnachbar eines Wanderfreundes. Die Wanderung dieses Tages hat uns wieder einmal viele unvermutete Einblicke in Geschichte und Gegenwart dieses stiefmütterlich bedachten Fleckchens unserer schönen Heimat beschert.
Von Tiefenau nach Spansberg und zurück
12. November 2017
Mit dem Regionalzug nach Leipzig fahren wir bis Riesa und steigen dort nach kurzer Zeit in den von Chemnitz kommenden Zug. Eine halbe Stunde nach neun langen wir in Tiefenau an. Hinter Wildwuchs erstreckt sich das große Rittergut. Vor der Schloßkapelle wartet mit der Pfeife in der Faust der Pfarrer Sandig auf uns. In druckreifen Sätzen teilt er uns alles Wissenswerte über den Ruhesitz des Oberhofmarschalls von Pflugk mit. Die Schloßkapelle ist ein seltenes Beispiel einer im Originalzustand erhaltenen Ausstattung des Augusteischen Barock aus seiner besten Zeit. Gottlob hatten die Pflugks, die bis 1945 hier wohnten nicht das Geld, um ihre Patronatskirche jeweils auf den neuesten stand zu bringen. In der Pflugkschen Loge befindet sich heute die Künstlergaderobe für musikalische Aufführungen.
Das Schloß beherbergte vor seiner Sprengung im Jahr 1948 Vertriebenenfamilien und zuvor den Arbeitsdienst. Die Pflugks wohnten damals schon in den Wirtschaftsgebäuden. Der Kontakt blieb während der sozialistischen Zeiten erhalten. Maria von Seydlitz-Kurzbach feierte vor ihrem Tod noch den 85. Geburtstag im Rosengarten des einstigen Schloßparks. In Deutschland war sie nach 1945 doppelt stigmatisiert, da Walther von Seydlitz-Kurzbach der Präsident des Bundes Deutscher Offiziere, zweimal zum Tode verurteilt wurde, 1944 in Deutschland und 1950 in Moskau.
Die Brunnenfigur war schon eingehaust. Im Gutskomplex will ein Holländer ein Hotel mit Golfplatz einrichten...
Zwischen den Tiefenauer Teichen entlang laufen wir nach Spansberg. Allenthalben sind noch die Sturmschäden wahrzunehmen. Riesige Stämme wurden dabei geknickt wie Streichhölzer.
Der Pfarrer von Spansberg betreute einst auch die Kirche in Tiefenau.
Auf dem Spansberger Kriegerdenkmal sind die vielen Toden von 39-45 alphabetisch nach Vornamen gereiht. Im Gasthaus zum Wilden Bären stärken wir uns. Die Kinder lassen im großen Flur die Fußballer um den Stab wirbeln. Sie wären auch noch länger geblieben...
An der Tischermühle vorbei gelangen wir zum Denkmal der kühnen Ballonfahrer, die 1912 hier abgestürzt sind.
Wir entschließen uns nicht über Nauwalde zu gehen, stattdessen den gleichen reizvollen Weg durch die Teiche auch rückwärts einzuschlagen und biegen aber in andere Pfade zwischen den Wassern ein.
Immer wieder fallen uns längs des Weges Bäume von gewaltigem Stammumfang auf.
Im Ort entschließen wir uns für weitere Um- und Abwege, damit wir nicht die Zeit am tristen Haltepunkt verwarten müssen. Dabei passieren wir einen Bahnübergang, der auf fernelektrische Anfrage unsererseits betätigt wird.
Von Jahnishausen nach Stauchitz
5. November 2017
Die Tage werden immer rascher kürzer, wodurch sich die Zeitspanne zum Wandern einschränkt. Dass die Erlebnisse dadurch umso intensiver werden, belehrte uns diese Wanderung. Wenn auch der sagenhafte Huthübel schließlich nicht erreicht wurde, begegneten uns auf dem Weg unvermutete Schönheiten, viel und tief Bedeutendes.
Herbstgedanken liegen nahe: Gerade neuerdings wird uns die Heimat in ihrem ruckartigen Wegfall immer rätselhafter. Wir verlieren gerade Alles oder es entgleitet das Letzte uns , von dem, was lange schon untergegangen ist. Um den sinkenden Schiffsrumpf kreiseln jetzt auch die übrigen gescheiterten Planken noch, tummeln sich noch einmal rascher, bevor sie hinabgesaugt werden. Im Spätlicht sehen wir daran die Facetten denen die sorgende und kundige Hand des ewigen Schreiners anzumerken ist. Erst wenn auch die Hoffnung schweigt, wird sich neuer Gesang erheben. Alles wird anders und alles bleibt gut.
Eine Gemeinschaft von einem guten Dutzend zwischen sieben und siebzig Jahren, Jungen, Mädchen, Männer und Frauen, sammelt sich in der S-Bahn nach Meißen. Dort fahren wir mit dem Bus in Richtung Döbeln bis nach Lommatzsch. Dort geht es mit dem Anruftaxi weiter. Zwei Taxi-Fahrzeuge treffen fahrplanmäßig ein und nehmen je sechs und vier Personen auf. (Das Gelingen dieses Reiseabschnittes verdanken wir dem entgegenkommen des Einsatzleiters der Verkehrsbetriebe, der laut Kleingedruckten uns hätte abweisen dürfen, denn die exakte Fahrgastzahl muß für diese Linienfahrt mit Ersatzfahrzeugen vorab aufgenommen werde. Für Ausfälle haftet der Fahrgast mit doppeltem Fahrpreis etc pp und andere Unsinnigkeiten. Zudem reicht für Gruppen ab 5 Personen als knappste Anmeldungfrist die Stunde nicht. Es muß mindestens einen Tag zuvor gemeldet werden. Das nächste Mal wird also jeder einzeln ab 4 Uhr oder 6:30 Uhr, je nach Dienstzeit anrufen, bis die Leitung glüht.)
Jedenfalls langten wir gegen 8:40 in Jahnishausen an und liefen gleich in den Park unseres guten Königs Johann. Der schuf sich diesen Landsitz zum familiären Rückzug und arbeitete hier auch an seiner Dante-Übertragung. Die Weitsicht dieser würdigen Menschen erweist sich in den uns geblieben Schönheiten, was sie pflanzten und heute erst kraftvoll für sie zeugt. Wie der gewaltige Ginkgobaum.
Lebensgefahr! Stand auf dem Schild zum Jahnatalweg zu lesen. Da leuchteten manche Kinderaugen. Ja, los geht’s, über die gewaltige Pappel gesetzt, die uns „Xavier“ jüngst zum Klettern gefällt hat...
Bald schon erreichen wir immer längst der Jahna gehend den Park von Seerhausen. Wir rätseln an Arno´s Kleiner Gaststätte auf der Karte, was eine Sülze wohl von einer Gallertschüssel unterscheidet. Doch Arno ist krank und richtet diese Speisen nicht länger an, sagt uns ein auskunftsfreudiger Seerhausener, der auch zu berichten weiß, daß eine große Figur der Permoser-Schule aus Seerhausen unterdessen im Dresdner Palais im Großen Garten präsentiert wird. Da wo bis 1949 das Schloß derer von Fritsch stand ist nur noch ein grasbewachsener Hügel. Keine Stimme für das Leid derer, die hier ausgetrieben, gedemütigt und geschunden worden. Zufällig begegnen wir einem alten Herren vom Geschichtsverein, der die Grünanlagen winterfest macht und uns einiges zu erzählen weiß.
Der Ahnherr Thomas von Fritsch verhandelte für die Wettiner den Hubertusburger Frieden. Und konsolidierte danach erfolgreich, was vom Staate Sachsen noch übrig war. Ebenfalls der Familie entstammt der 1938 abgesägte Heeresleitungschef und Kriegsgegner, der sich gleichwohl 1939 entschied sein Regiment „nur als Zielscheibe“ in den Polenfeldzug zu begleiten und dann vor Warschau 59-jährig gefallen ist. „Lassen Sie nur“ waren seine letzten Worte, als man ihm die Schlagader am Bein abbinden wollte. Sein Großneffe Rüdiger ist gegenwärtig deutscher Botschafter in Moskau.
Durch ein Gittertor erblicken wir im Park Ragnitz die Mönchssäule von 1520. Ragnitz gilt damit als die Stelle des ältesten sächsischen Parks. Bemerkenswerter ist gegenüber noch der zunächst unscheinbare Sandsteinwürfel. Die vier Inschriften erinnern an die Sächsische Verfassung von 1831. Bemerkenswert, das SKH Anton hier beinahe bürgerlich Anton König geheißen wird.
In Grubnitz kehren wir nicht eigentlich ein. Der Masseneinfall in die mittägliche Gaststube wird uns verwehrt, stattdessen aber gestattet draußen zum Servierten Mitgebrachtes zu verzehren und die Möbel großzügig umzugruppieren. Zwei Damen stoßen hier im Gasthof zum Jahnatal im Kraftwagen zu unserer Exkursion. Die Fahrerin verabschiedet sich rasch wieder, da gebieterisch von ausstehenden Arbeiten beansprucht.
Seit einiger Zeit begleiten unseren weg liebevoll gestaltete Tafeln zu den Baumarten. Deren Aufschrift unter anderem zu entnehmen ist, daß das Trojanische Pferd aus Ahornholz gezimmert wurde.
In Bloßwitz finden wir das Grabmal der Familie von Fritsch. Die Famile versammlte sich beim Einfall der Russen in Seerhausen. Dass sie sich nicht aus dem Haus treiben lassen wollte kostete der 60-jährigen Freifrau Alexandrine von Fritsch das Leben. Sie wurde angeschossen und erlag den Verletzungen. Zwei Fritsche starben, verhungerten oder wählten den Tod im November. Die Freifrau war schon, vielleicht ahndungsvoll im September 1944 voraus gestorben. Nachdenklich stimmen Gräber deutscher Soldaten, die Ende Mai 1945 gefallen sind. Was sollen wir davon halten? In fünfzehn Kilometer Entfernung trafen am 25. April 1945 zum ersten Mal während des Krieges auf deutschem Boden eine Patrouille der Amerikaner unter Leutnant Kotzebue auf die Russen bei Lorenzkirch. Das nachträglich als Elbe-Day verherrlichte Begegnung spielte sich inmitten hunderter hingemetzelter Zivilisten und verwesender Tierkadaver ab. Die Ereignisse jener Wochen treten erst nach und nach in jüngster Zeit hervor. In dem Maße in dem das Land nun endgültig stirbt erfahren wir näheres über den Todesstoß. Auf dem Friedhof von trägt ein Findling nur die Aufschrift April 1945. Wir sehen ein ähnlich stummes Denkmal auch auf dem Weg nach Stauchitz. Das jahrzehntelange Schweigenmüssen hat die Stimmbänder gelähmt. Sie werden allmählich nur ihre Redefähigkeit wiederfinden.
Durch Stauchitz laufen wir weiter an die Stelle der alten Daleminzierburg Gana. Den archäologisch belesenen Wanderfreund hatte seine Vorexkursion mit endlos langen Zugverspätungen wegen des Sturmes so erschöpft, daß er für heute absagen mußte. Eine Spaziergängerin bestätigt uns, daß hinter den endlosen Glashäusern die Stelle liegt, an welcher die Archäologen gegraben hätten. Die Daleminzier sollen ein sorbischer Stamm gewesen sein, der in Völkerwnaderungszeit von nördlich der Karpaten seinen Weg in das Gebiet der späteren Mark Meißen nahm. Am zwanzigsten Tag der Belagerung im Winter 928/29 beugten sich die Burgbewohner dem König Heinrich. Widukind schreibt in seiner Chronik:„Die Beute der Burg überließ er den Kriegern, alle Erwachsenen wurden niedergemacht, die Knaben und Mädchen behielten ihr Leben für die Gefangenschaft". Gravungen erfolgten in den 20er und 30er Jahren. Die erste Luftbildaufnahme wurde 1992 angefertigt. Eine über drei Hektar sich erstreckenden Anlage soll von drei Gräben und einem 12 hohen Hauptwall geschützt gewesen sein. Im Jahr der Einnahme von Gana wurde mit der Burg Meißen auf dem Bergsporn zwischen Meisa und Triebisch ein neues Herrschaftszentrum begründet.
Während einer kurzen Rast kündet sich der erwartete Regen an. Wir beschließen nun noch das Schloss Hof zu besichtigen und dann zurück nach Stauchitz zu laufen. Wir sind bezaubert von der schönen Anlage mit altem und neuen Schloß und imposanten Wirtschaftsgebäuden. Immer noch ist das Gemeindeamt im behutsam erhaltenen und nicht über-restaurierten Schloß. An der Außenwand lesen wir eine rebellische Aufschrift.
Entlang der Bundesstraße 169 laufen wir nach Stauchitz um uns einem erfüllten Wandertag nicht vom einsetzenden Regen entwerten zu lassen. Der Besuch des Huthübels bleibt einem späteren Streifzug aufgespart. Über Riesa fahren wir mit dem Zug zurück nach Dresden.
Von Wolkenstein nach Zschopau
14. Oktober 2017
Etwas später als letztens treten wir zur ersten Unternehmung auf heimatlichem Boden an. (Vorausgreifend muß festgestellt werden, daß die niedrigen Fahrtkosten die bisherige böhmische Hedschra völlig rechtfertigen. Eigentlich müßte man richtiger sagen, die unsittlich teuren Fahrpreise des Regionalverkehrs, wodurch der gewachsene Zusammenhang zwischen den Städten, Städtchen und Dörfern mittelfristig zu zerreißen droht, der so wichtig für den Frieden im Land ist.)
Rascher Umstieg erfolgt in Flöha. In Wolkenstein verlassen wir den Zug. Einhellig aufflammende Erzgebirgsbegeisterung erhebt die drei Wanderfreunde hangaufwärts über die Klippen nach Wolkenstein. (Ein Vierter im Bunde mußte kurzfristig absagen, da das Automobil zur Anreise aus Weimar nach Flöha nicht flott zu bekommen war.)
Über den Schlossplatz treten wir in die Stadt ein. Hans Jürgen Donner erwartet uns bereits auf der Straße vor dem Militärhistorischen Museum. Für zwei Stunden verschwinden wir in dessen Schatzkammern.
Wir hätten noch eine weitere Stunde Epauletten, Ehrendolche, Uniformaufschläge und Urkunden in den Schüben bestaunen können. Doch hinter den Fenstern gleist ein sonniger Herbsttag wie wir ihn lange nicht erlebten. Außerdem ruft Frau Donner zu Tisch...
Wegen der fortschreitenden Zeit lassen wir Stülpners Grab in Großolbersdorf rechts liegen und laufen über Warmbad immer der Zschopau entlang. Ein Apfelbaum am Ortsausgang spendet das Dessert zum Schnitten-Mittag.
Die Sonne instrumentiert den Tod der Blätter. Das orangegelbe Buchenlaub verleiht selbst dem graublauen Asphalt eine ästhetische Notwendigkeit
Unter dem klaren Himmel kommt Scharfenstein in Sicht. In Anbetracht des famosen Wetters begeben wir uns aller kulturhistorischen Ambitionen, rasten nur kurz im Burgbezirk und wenden uns entlang der Zschopau der gleichnamigen Stadt zu. Auch Geburts- und Sternbehaus von Stülpner suche wir nicht auf. Er begegnet uns nur als Holzkamerad und läßt uns willig passieren. Ein Schild hinter Scharfenstein bittet um Rücksicht für die Feuersalamnder, die den Wanderer für manchen Regentag schadlos halten können aber heute die Sonne fliehen und nicht sichtbar sind. Am alten Spurwechselbahnhof Wilischthal erblicken wir das Viadukt der längst aufgelassenen Schmalspurlinie von hier nach Thum.
Unterhalb der Stadt erblicken wir, was wir schon in Wolken- und Scharfenstein sahen: Einen weißgetünchter Schloßbau umschließt einen walzenförmigen Steinturm. Unsere Aufmerksamkeit gilt auch der Kraftgfahrzeugwerkstatt von Kai von Wolffersdorf, dem „Autoservice von Wolffersdorf“. Einst hatten sie Bedienstete, jetzt Autoservice. Ein Wolf von Wolffersdorf nahm 1437 die Burg Scharfenstein als Pfand. Sein Nachfahre Kai ist immerhin auf französische Motordroschken spezialisiert. Da bleibt noch etwas vom französischen Stil, der dem europäischen Rittertum im 15. Jahrhundert so gut anstand…
...weitere Reminiszenzen ergeben sich am Marktplatz. Auf der Treppe vom Rathaus telekommuniziert ein junger Syrer mittels einem mobilen Endgerät.
Le To Nga öffnet ihr Asia-Restaurant am Neumarkt im gleichen Gebäude übereck zur Stehpizzeria Napoli eigentlich erst um 17:30 Uhr wieder. Als wir uns an einen der beiden Tische vor ihrem Restaurant niederlassen erhalten wir gleichwohl bereitwillig und würdevoll Getränke und einen Imbiss offeriert. Die Wirtin trägt ein bodenlanges Kleid mit einem irisartigem Farbverlauf.
Erquickt steigen wir hinab zum Bahnhof, wo uns der Zug über Flöha zurück nach Dresden bringt. Während wir entlang der Weißeritz fahren senkt sich Dunkel über die Landschaft.
Ein weiterer gelungener Streifzug gelangt an sein Ende und wandelt sich vom Begängnis zur Erinnerung.
Von Staditz nach Aussig
8. Oktober 2017
Der erste Aufbruch vollzieht sich zu zweit in Meißen. Durch Zustiege in Radebeul Ost, Pieschen, Neustadt und Hauptbahnhof summiert sich die Personenstärke bald auf zehn. Günstigerweise verteilen wir uns genau auf zwei Kleingruppenkarten des Elbe-Labe-Billets. Zwei Gefährten reisten am Vorabend eigens aus dem Harzvorland und dem Berliner Umland an, dieser mit beträchtlichen Zugverspätungen im Nachgang des Sturmes Xavier. Wie vor vierzehn Tagen fahren wir auch diesmal mit der Eisenbahn über Schandau das Elbtal hinauf bis zum Aussiger Westbahnhof, in dessen Bahnhofsrestauration wir einiges Aufsehen erregen mit unserer kaffeedurstigen Truppenstärke bei den einsamen Morgenbiertrinkern hervorrufen. Da die Tassen für den Türkentrank nicht ausreichen wird auf Gläser zurückgegriffen.
Vor dem Denkmal des Ackermann Primislaus, welches der Graf von Nostitz-Rieneck 1841 hat aufstellen lassen, machen wir ein erstes Gruppenfoto.
Mit einem Reis vom legendären Haselstrauch aus Przemysls Stecken am Hut und im Rucksack geht es weiter unter grauem Himmel, der zuweilen die Herbstfärbung besonders zum Glühen bringt. Über dem Acker neben jenem seit der Berufung des ersten böhmischen Herzogs nicht mehr gepflügt wurde zeigt sich ein Regenbogen.
Über den Ausblick am Dubitzer Kirchlein und dem Müllerfelsen geht es weiter zu einem Wasserfall. Im Gespräch und während des Nieselregens, in der Aufmerksamkeit auf den Weg nachläßt verlassen wir unbemerkt die Hochebene und gehen den Müllergrund hinab nach Salesel, dem vormaligen „Böhmischen Meran“. Zum ersten Mal gerät der Schreckenstein in den Blick.
Wir laufen entlang der Bahnlinie und gelangen nach Wannow, wo bis in die fünfziger Jahre die Straßenbahnlinie 6 die Sonntagsspaziergänger aus Aussig herausbrachte. Hier machen wir ein weiteres Gruppenbild an der Anlegestelle und teilen uns vorübergehend.
Die eine Hälfte fährt mit dem Bus in die Stadt, um dort schon das gerühmte Brauhaus Na Rychtě aufzusuchen. Der Berliner unter uns muß zum Schnellzug streben, der ihn kurz vor Sechsen von Aussig zu Wohnstätte und Arbeitsplatz bringt.
Am Basaltfelsen Workotsch, das bedeutet Haarschopf, gehen wir einen gepflasterten Weg hinan. Der Fels ragte einst bis in das Flußbett der Elbe hinein, wo sich vormals gefährliche Stromschnellen an jener Stelle bildeten.
Hier wurden Pflastersteine gebrochen. Bis an einem Sonntagnachmittag ein Blitz die Felsnadel traf und einen Steinschlag auslöste. Die kleine Hütte zur Bewirtung der Ausflügler wurde begraben, die unterhalb an der Wand gestanden hatte, wo sich heute noch der Wannower Wasserfall ergießt. Einige Schritte weiter beobachten wir zwei Feuersalamander auf dem regennassen Basaltplatten des Weges.
Der Wanderleiter fällt mit dem Skribenten aus dem Harzvorland, dem die Steigung arg zu schaffen macht, etwas hinter der Gruppe zurück. Dabei treffen sie an einer der rauchenden Hütten auf ein handgemaltes Schild mit der Verheißung: Kozi, Mleko, Syr.
Ein Mütterchen wird herbeigerufen und verkauft unter Hinzuziehung von Waage und Taschenrechner für kleines Handgeld willig ihre Ziegenmilch und den Käse. Mit dieser Labung geht es besser voran und bald sind die drei Gefährten eingeholt. Einer der vielen Humboldt-Ausblicke bietet die letzte wirkungsvolle Sicht auf die Berge des Mittelgebirges.
Für wenige Sekunden bricht die Sonne unter den Wolken hervor und läßt das Buschwerk aufgleisen, wie eine helle Fanfare auf dem fortlaufend dunklen Generalbass hervorsticht.
Auf der Ferdinandshöhe entern wir spontan die Seilbahn, deren Gondel uns über ein Einkaufszentrum in die Innenstadt entläßt. Den Zugang zum Brauhaus versperrt eine geschlossene Gesellschaft. Vorm Bahnhof vereinigen wir uns zu gemeinsamer Rückfahrt und vespern gemeinschaftlich im Zug vom jüngst erworbenen Ziegenkäse.
Von Station zu Station löst sich die Gruppe wieder auf, so wie sie sich am Morgen zusammengefunden hatte.
Von Wohonetsch nach Praskowitz
24. September 2017
...führte uns am 23. September 2017 durch das Böhmische Mittelgebirge. Zu viert fuhren wir mit der Eisenbahn das Elbtal hinauf bis zum Aussiger Westbahnhof und nahmen dort die Bielatalbahn bis nach Wohonetsch (Ohníč ). Dann liefen wir im Nebel über Kostenblatt (Kostomlaty pod Milešovkou), rasteten in der Burgruine Suchoslaw. Mit der hervortretenden Sonne erstiegen wir den Milleschauer Berg (Milešovka) , wo weiland der tschechische Dichter Peter Kabesch die Wetterlage beobachtete, bis ihn die politische Wetterlage seinen erhabenen Arbeitsplatz kostete. Zuvor gesellten wir uns auf der Wiese von Tscherntschitz ( Černčice u Milešovky ) zu Seiner Fürstlichen Hoheit Karel von Schwarzenberg, der an diesem Sonnabend Mittag mit dem tschechischen Volk über das Leben, die Landwirtschaft, Natur und Geschichte zu plaudern geruhte. Im Sattel zwischen Milleschauer und Kletschen (Kletečná) querten wir die Straße von Zinnwald nach Prag, liefen nördlich des Gipfels über Sahorz ( Záhoří) und rasteten an der steilen Abbruchkante des seit 1970 betriebenen Kubačka-Steinbruchs oberhalb von Praskowitz. Sodann überschritten wir die rostigen Gleise einer durch den Erdrutsch des Autobahnbaues vom Juni 2013 stillgelegte Teilstrecke der Nordböhmischen Transversalbahn von Radzein (Radejčín) nach Lobositz (Lovosice), querten über die Wildbrücke die Autobahn Dresden-Prag (Dálnice 8) nahe jener Stelle, wo im letzten Dezember der sächsische und der tschechische Präsident deren letztes Teilstück mit den zwei Tunneln feierlich eröffneten. Die Dálnice 8 ist ein Abschnitt des Paneuropäischen Verkehrskorridors IV, der Berlin mit Konstantinopel verbinden soll. Während wir diesen guten Absichten viel Glück wünschen laufen wir hinab nach dem früheren Elbkurort Praskowitz (Prackovice nad Labem). Das Gasthaus zur Krone hat inzwischen keine warmen Gerichte mehr. Die Brüsseler Verordnung über die Warmhaltedauer von Fleischgerichten (nicht länger als vier Stunden) diskriminiert Wirte und Wanderer. Ein Regenbogen steigt am anderen Elbufer steil, empor. Der Zug vom Prager Hibernerbahnhof hat fünfundzwanzig Minuten Verspätung. Seit der Dekonstruktion 1999 ist der große Bahnhof unbesetzt. Alle Holzbänke wurden entfernt und die langen Bahnsteige kahl zurückgelassen. Wir erreichen gleichwohl über Tetschen, wo uns ein bacchantisches Treiben vom Leitmeritzer Weinlesefest entgegenpurzelt, in Bad Schandau Viertel nach acht die S-Bahn in Richtung Dresden und Meißen. Unterdessen hat es zu regnen begonnen.
Böhmische Wanderung
Von Böhmisch Leipa nach Bleiswedel
16. September 2017
Wir fuhren im Morgendunkel über Schandau nach Bodenbach, wo der Zug nur die Elbe überquerte und am Tetschener Ostbahnhof als Schienenersatzomnibus weiter bis Böhmisch Leipa fuhr. Dort liefen wir durch das Höllental oder die Karbenschlucht zwischen Sandsteinwänden und zuletzt unter dem Viadukt der Nordböhmischen Transversalbahn nach Neuschloss. Die Kaunitzsche Lindenalle führte uns über eine alte Steinbrücke zur Burgruine. In Hohlen speisten wir im Gasthaus zum Toni "U Tonyho" (Inhaber: Antonín Havlan) und gingen zwischen den Teichen auf den markanten Doppelgipfel von Wilschtberg, der höchsten Erhebung der Daubaer Schweiz und dem noch zum Böhmischen Mittelgebirge zählenden Ronberg zu.
Zuvor weilten wir noch kurz in Drum, wo seit dem letzten Besuch 2004 zwischenzeitlich am Dach des Schlosses Reperaturen erfolgten, die längst schon wieder zum Erliegen gekommen sind. Auf dem Gipfel des Ronbergs hatte sich bereits ein Mann mit mehreren Knaben niedergelassen. Ihm wollten wir uns nicht zugesellen und stiegen nach Bleiswedel ab, wo eine lustige Kinderschar am Abend um die Mariensäule spielte. Den Zug verfehlten wir knapp und gingen zurück zum Gasthaus zur Kirche in der Absicht, bis zur Schließzeit dort zu sitzen und danach in Gleisnähe das Zelt aufzuschlagen. Bevor wir unter der Türe hindurchtraten bemerkten wir die Aufschrift Ubytovani. Der Abend klang aus in der vollen Kneipe, die zunehmend auch vom jungen Publikum zu Dart und Tischtennis aufgesucht wurde. Des Morgens verließen wir den Oret mit dem ersten Zug nach Böhmisch Leipa.